Tag Archive for Natur

Zur ‘Natürlichkeit’ der Kategorien Mann/Frau

Ich gebe mal einfach so einen Denkanstoß.

Ja, Menschen sehen unterschiedlich aus, sind unterschiedlich gebaut, sie sind nicht alle “gleich”, was die biologische Bauweise der Geschlechtsorgane betrifft. Aber.

Viele kommen mit einer Gebärmutter, Vagina, Klitoris, etc. auf die Welt. Viele mit Penis, Hoden, Prostata etc. Weniger viele kommen mit allen nur erdenklichen Zwischenformen auf die Welt (ich verweise hier einmal auf blog.zwischengeschlecht.info).

ALLE diese Formen, Zwischenformen inklusive, sind ‘natürlich’. So, wie sie die ‘Natur’ hervorbringt. Dass wir jetzt eine Form ‘Frau’ nennen, und eine andere ‘Mann’, und alle anderen Formen komplett ausblenden und so tun als wären diese anderen Formen ‘falsch’, ‘unnatürlich’, oder gleich gar nicht existent, das ist nicht ‘natürlich’, sondern? Aha! ‘Kultur’.

Dass Menschen mit nicht ‘normgerechten’ Geschlechtsmerkmalen ohne jegliche medizinische Indikation (die äußerst selten ist) ‘zurechtgeschnitten’ werden – nicht ‘natürlich’. Kultur. Das passiert nur, um einer KULTURELLEN Norm zu entsprechen.

Die Grenzziehung zwischen ‘noch normal’ und ‘nicht mehr normal, muss man normalisieren’ ist dementsprechend willkürlich.

Ich habe jetzt auch keine Lösung, wie man zum Beispiel das Problem der geschlechtsneutralen Sprache lösen könnte, ich habe bisher keine komplett zufriedenstellende Lösung gesehen (Vorschläge zum Beispiel hier im sprachlog).

Ich glaube aber, dass zumindest das Bewusstsein dafür, dass eben auch die Kategorien Mann/Frau mehr kulturelle Normen als biologische, ‘natürliche Tatsachen’ abbilden und dass sie eine mal mehr, mal weniger oder auch mal gar nicht nötige Komplexitätsreduktion sind, schon einmal ein wichtiger Schritt ist.

Ich bin im Geocache-Fieber! Geo-was bitte?

Geocachen rockt! Um mal eine Begriffbestimmung für all diejenigen armen Unwissenden abzugeben, die noch nicht in den Genuss von Geocaching gekommen sind, ich zitiere von geocaching.de:

Geocaching lässt sich am besten als eine Art moderner Schatzsuche und Schnitzeljagd beschreiben. Kurz und generalisiert gefasst: Es gibt Leute, die verstecken irgendwo Dosen voller kleiner netter Dinge sowie einem Notizbüchlein, dem Logbuch. Und veröffentlichen das Versteck in Form von Koordinaten im Internet.

Dies lesen andere, merken sich die Koordinaten und nutzen ihr GPS-Gerät, um diese Schätze zu finden. Dann wird eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose ausgetauscht, der Besuch geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt – für den nächsten …

Soviel zu den Grundregeln. Denn es gibt Caches, die weit darüber hinausgehen! Multi-Caches gehen über viele Stationen (und zum Teil auch Stunden) – man bekommt zum Beispiel nur die Startkoordinaten und ein paar Hinweise, und von dort aus muss man sich weitere Hinweise suchend und rätsellösend von einer Station zur nächsten durchkämpfen. Es gibt Caches, die man nur Nachts absolvieren kann und für die man Gadgets wie Spiegel, UV-Lampen oder Laserpointer braucht, für andere muss man klettern oder durch die Kanalisation waten, manche Caches sind dazu in liebe- uns mühevollst ausgearbeitete Hintergrundgeschichten eingebettet. Man kann aber auch einfach nur gemütlich durch die Gegend wandern und tolle, sonst versteckte Orte entdecken. Es gibt Geocaches für die ganze Familie oder auch als Firmen-Event-Ausflug.

Und man glaubt gar nicht, wie unglaublich viele Geocaches es gibt! In und um Städte herum ist praktisch an jeder Ecke irgendein Cache. Und man könnte wahrscheinlich sogar einen Geocache-Hinweis auf der eigenen Haustür haben, ohne es jemals zu merken (das hat schon fast eine philosophische Komponente – wieviele Dinge sind da noch zwischen Himmel und Erde, von deren Existenz wir gar nichts ahnen?).

Geocaching ist ein bisschen Indiana Jones und James Bond spielen, etwas Pirat, ein Stückchen Agent, Spion oder Soldat, eine Prise Räuber & Gendarm und sogar ein Stück Harry Potter (Nicht-Geocacher, denen man unterwegs begegnet, heißen offiziell Muggels!). Und das beste, all diese Dinge auf einmal! Dazu bewegt man sich, entdeckt tolle Orte, ist draußen und als Gruppe macht es unglaublich viel Spaß (trotzdem muss man auch seinen Status als stolzer Nerd nicht aufgeben).

Das war zum Beispiel der Cache, den wir gestern um 2.15 Uhr nach etwa 5 Stunden erfolgreich absolviert haben. Unfassbar genial! Total spaßig! Legendary!

Zum Abschluss noch ein paar weiterführende, sehr schön zusammengefasste Kurzinfos für Einsteiger und außerdem eine Nachricht über einen “Bombenfund” an der Erlanger Autobahn (deshalb sollte man auf Muggels achten)!

Getrippel der Hoffnung

Kennt Ihr diese Situation? Ihr bewegt Euch auf dem Gehweg, und jemand kommt Euch direkt entegegen. Direkt. Dann stellt sich die Frage, wer weicht aus? Gibt es da einen geheimen Code, wohin man ausweicht, den ich nicht weiß? Die meisten scheren sich ja nicht wirklich darum und laufen entweder stur weiter oder machen schon 500 Meter vorher einen großen Bogen. Aber manchmal weichen auch beide aus, in dieselbe Richtung, so dass man sich wieder gegenübersteht. Das wird bemerkt, und dann wird meist von beiden korrigiert. Natürlich wieder von beiden in dieselbe Richtung. Das kann ein paarmal hin und hergehen, dieses Getrippel. Und ganz, ganz oft sind die Leute, denen man so – ungewollt – entgegentrippelt, ziemlich genervt davon. Und gucken böse.

Mir mogelt sich fast immer ein Lächeln auf die Lippen wenn mir das passiert, weil ich die Dynamik dieses Getrappels so lustig finde. Und ganz, ganz selten lächelt der trippelnde, unbekannte Gegenüber zurück. Das hellt dann meinen ganzen Tag auf und hebt urmäßig meine Laune. In solchen Momenten denke ich mir nämlich dann immer, dass es vielleicht doch noch Hoffnung für die Menschheit, unseren Planeten und das Universum gibt. Ich meine, wer bei diesem Trippeltanz lächelt, führt sicher keine Kriege, tut überhaupt niemandem Gewalt an, ist bestimmt nicht ungerecht, hat Mitgefühl mit der Welt und Respekt für die Natur und unseren Planeten. So denke ich mir das. Ein paar Hoffnungsschimmer im Menschenmeer.

Eine Ode ans Anderssein – Hellboy II: The Golden Army

Endlich habe ich wieder einen meiner Lieblingshelden im Kino gesehen: Hellboy! Hat man den ersten Teil noch recht frisch im Kopf, fallen einem erst einmal ein paar inkonsistente Neuerungen auf: Wieso ist Liz’ Feuer nicht mehr blau? Wieso hat Hellboy plötzlich keinen Hals mehr, zuviel Steroide? Wieso hat der Fischmann plötzlich eine andere Farbe? Und wo zum Teufel ist eigentlich Myers hin?

Aber man gewöhnt sich recht schnell an den neuen Look. Und die Anfangssequenz, in der die Geschichte der Entstehung der Golden Army und dem Krieg zwischen Elfen und Menschen erzählt wird, ist einfach grandios! Gerade durch die sehr simple Holzpuppen-Kindermärchen-Ästhetik wirkt die Story erst so lebensecht. Auch wenn der pubertierende, junge Hellboy, dem die Geschichte erzählt wird, wirklich unglaublich hässlich ist – aber hey, wer war schon eine Schönheit in seiner Pubertät.

Insgesamt ist der Fokus des Films ein komplett anderer als im ersten Teil. Spätestens wenn die ektoplasmatische Kreatur Johann Krauss seinen Auftritt hat, merkt man, dass es hier nicht mehr um einige wenige Freaks hinter Verschluss des FBI geht, die vergeblich versuchen, sich der Menschenwelt anzupassen. Vielmehr liegt der Fokus ganz auf der Gegenwelt der fantastischen Figuren, die Hellboy II so zahlreich bevölkern, dass man sich an Harry Potter, Lord of the Rings, Pans Labyrinth und Die unendliche Geschichte gleichermaßen erinnert fühlt. Und es geht um die Konflikte, die sich innerhalb dieser Fantasiewelt auftun, sowie um die Beziehungen dieser anderen Welt zu der der Menschen. Tief aus dem innersten des Films spricht die von vielen geteilte Sehnsucht, dass es mehr geben mag zwischen Himmel und Erde, als wir annehmen. Eine Sehnsucht nach Elfen, Natur, Trollen, Wundern, Unschuld. Nach Märchen und Mythen, in unserer sonst allzu er- und aufgeklärten, von jeglicher Natur gesäuberten Welt. Gut und böse sowie die persönliche Wahl einer Seite sind nicht mehr so einfach auszumachen wie in Teil Eins, beides hängt wie ein Band untrennbar zusammen wie die Zwillinge Nuada und Nuala, Prinz und Prinzessin der Elfen.

Doch obwohl der Film das Anderssein feiert, die Freaks und Fantasiegestalten, bleibt die ganze Zeit der traurige Unterton, dass die Welt der Elfen, Feen und auch der Trolle und Höllengestalten bereits dem Untergang geweiht ist. Fast alle Figuren fallen in die Kategorie “Die letzten ihrer Art”, und der verzweifelte Versuch von Prinz Nuada, wieder ein (zugegeben, zu gewalttätiges) Gleichgewicht zwischen den Welten, zwischen Natur und ‘Kultur’ herzustellen, wird ja von Hellboy und den anderen ‘Helden’ vereitelt. Um was zu retten, mag man sich da fragen. Ob unsere parasitäre Lebensweise und Planetendiktatur eine solche Rettung überhaupt verdient hat?

Alles in allem, Hellboy ist nach wie vor eine geile Sau. Die Szene, in der Hellboy und Abe Sapiens sich zusammen die Hucke vollsaufen und sich zu I can’t smile without you ihren Liebeskummer von der Seele schnulzen, ist wie die Anfangssequenz mit den Holzpuppen einfach nur grandios. Und der Waldgott, der aus einer magischen Bohne erwächst und das fiktive Manhattan nicht nur in Schutt und Asche legt, sondern auch  in ein lebendiges Stück Natur zurückverwandelt, ist auf jeden Fall das schönste und poetischste Monster, das jemals in einem Film sein Leben ausgehaucht bekam.

Der Atom-Ahorn und die letzten Blüten des Jahres

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und gerade jetzt hat meine ausgemergelte Kapuzinerkresse (zweiter Versuch) beschlossen zu blühen. Selbst die hagere Cosmea, die ich das ganze Jahr nicht mal zu einer Knospe gebracht habe, hat just endlich eine hervorgebracht. Es ist richtig spannend, ob sie es noch schaffen wird zu blühen bevor der Frost und das kalte Wetter sie endgültig hinwegfegen werden.

Dazu muss ich mal über einen Zufallsfund in der Fußgängerzone schreiben. Überall liegen ja ab- oder verstorbene bunte Blätter auf den Straßen. Und als ich da unter einem Ahornbaum entlangging, fiel mir auf, was für Riesenhoshis an Blättern dieser Baum hervorgebracht hat, zwischen normalgroßen Blättern. Unglaublich! Die kann man sich praktisch als regenabweisenden Hut aufsetzen. Und ich frage mich ernsthaft, ob es schon immer solch große Ahornblätter gab. Also als ich noch ein Kind war und eifrig Blätter gesammelt habe im Herbst, da kamen mir die Blätter wesentlich kleiner vor. Und das, obwohl einem als Kind ja alles eher größer vorkommt als kleiner.

Also eine uralte Giganten-Ahorn-Art? Ein atommutierter X-Men-Ahorn? Oder umweltinduzierter Riesenwuchs aufgrund des Klimawandels? Ist der Ahornbaum vielleicht ein verkappter Ent aus Lord of the Rings, der eines Tages einfach seine Wurzeln aus der Fußgängerzone zieht und im Erlanger Schlossgarten nach einer Ent-Frau sucht? Werden wir es jemals herausfinden?

Vom Eis- zum Weißbär

Ob Knut oder Flocke – große und kleine Eisbären sind gerade einfach total in Mode. Was recht selten bis gar nicht im wilden Medienrummel zur Sprache kommt, ist das Paradox, wie sehr wir uns über ‘künstlich’ geborene Eisbärbabies im Zoo freuen, während wir munter weiter CO2 und Schlimmeres in die Atmosphäre blasen und schön langsam das natürliche Habititat der Eisbären wegschmelzen lassen. Während die Welt mehr oder eher weniger effektiv über Maßnahmen gegen den Klimawandel diskutiert, wird der Eisbär längst zum Weißbär: Wenn das Eis weg ist, muss sich der Eisbär wohl seinen ‘niedrigeren’ Verwandten wie dem Schwarz- oder Braunbären anschließen und sich über seine Fellfarbe definieren statt seinem dahingeschmolzenen Lebensraum. Wird es noch wärmer, werden wir ihn wohl oder übel Schweißbär umtaufen müssen. Angesichts der Probleme der echten, freilebenden Eisbären erscheinen die neuen Züchtungserfolge der Zoos und das Medientrara der Deutschen in einem anderen Licht. Eisbärbabies sind ja beileibe nichts neues, und ja, sie sind wirklich unfassbar süß – aber die Ekstase über den Weißbärnachwuchs im Zoo wirkt manchmal wie eine Absage an ein Klima, in dem es noch Eis und Eisbären gibt. Hey, endlich können wir die Polkappen abschmelzen lassen, wir können jetzt die knuffigen weißen Bären selber züchten. Sehr überspitzt ausgedrückt und polemisiert.

Und während bei uns das Klimabewusstsein zumindest langsam wächst, scheint man in Amerika – teilweise, und leider auch nicht nur dort – eine andere Strategie zu verfolgen. Ist ein Fakt nur unangenehm genug für einige, wird er kurzerhand zum (Irr-)Glaube erklärt. Bei dieser Ansicht verknoten sich regelmäßig meine Hirnsynapsen – vom Menschen verursachte Klimaerwärmung ist doch nichts woran man glauben kann, es ist ja keine Religion, sondern hier wird über wissenschaftliche Fakten diskutiert. Fakten, die man natürlich unterschiedlich deuten kann, aber im Grundsatz stimmen doch alle überein – keiner zweifelt mehr ernsthaft an einer vom Menschen verursachten Klimaerwärmung an sich. Global Warming allen Ernstes als Lüge und Mythos zu bezeichnen, und auch noch andere Leute über diesen ‘Irrglauben’ aufklären zu müssen, ist nicht mehr Unwissen oder Dummheit, sondern schlicht unverantwortlich, rücksichtslos und von einer unvergleichlichen Nach-mir-die-Sintflut-Qualität. Und ist vor allem selbst eine bequeme Lüge, ein angenehmer Mythos, ein zweckdienlicher Irrglaube, um so weitermachen zu können wie bisher und sich nicht in seinem Lebensstil einschränken zu müssen. Hier kann man sich als Diskussionsgrundlage schon einmal mit Argumenten gegen die zehn beliebtesten Anti-Klimaerwärmungs-Gebote eindecken. Und wenn wir uns Flocke oder Knut ansehen gehen oder in Zeitung/Fernsehen/Radio von den kleinen Eisbären hören, sollten wir einfach nicht vor Ekstase die freilebenden Verwandten vergessen und den Klimawandel und seine Konsequenzen im Hinterkopf behalten. Zum Abschluss noch ein Foto von Flocke (von der Seite der Stadt Nürnberg), weil sie so süß sind, die kleinen Eis-Weiß-Schweißbären.