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Meine ganz persönliche Ansicht: Feminismus heute

Ich studiere Kulturwissenschaften, und zwar aus Überzeugung. In der Kulturwissenschaft dekonstruiert man sehr gerne binäre Oppositionen, die als kulturelle Konstrukte der Komplexitätsreduktion dienen, aber eben Konstrukte sind, die aber als etwas natürliches, ganz normales, als Fakten empfunden werden. Schwarz-Weiß zum Beispiel, oder Kultur-Natur, oder eben auch Mann-Frau.

Und genau deshalb kann ich mich persönlich nicht mit ‘dem Feminismus’ identifizieren. Klar, eine Gleichstellung der Geschlechter ist noch lange nicht erreicht. Klar, die verschiedenen Strömungen des Feminismus haben wichtiges geleistet. Aber man kann noch so viel drumrumreden und versuchen umzuinterpretieren, der Begriff stammt nun mal von lateinischen femina ab, also ‘Frau’, und zementiert und reproduziert in meinen Augen gerade deshalb die alte, binäre Opposition Mann-Frau, die doch jetzt endlich einmal – auch außerhalb des akademischen Diskurses – berechtigterweise aufzuweichen beginnt.

Ich zitiere mal Judith Butler, die ebenfalls bereits 1990 (!) “dem Feminismus vor[wirft], vorhandene Geschlechtsrealitäten noch zu verhärten, anstatt die Möglichkeit zu bieten, neue Identitäten zu entwickeln”:

„Der Versuch, den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren, ist nur ein Umkehrdiskurs, der unkritisch die Strategie des Unterdrückers nachahmt, statt eine andere Begrifflichkeit bereitzustellen“ (Unbehagen der Geschlechter, S. 33).

Ich will nicht nur für die Rechte von ‘Frauen’ kämpfen (und genau das impliziert der Begriff, ob man ihn jetzt umdeutet oder ein Gleichheits-Post-Feminismus draus macht oder ähnliches), ich will dass alle Menschen gleichberechtigt sein und leben können. Geschlechtergerechtigkeit. Alle, unabhängig von ihrem Geschlecht – das ja männlich, weiblich, intersexuell, trans- oder pansexual sein kann, irgendetwas auf einem Kontinuum, das man auch gar nicht unbedingt in lauter einzelne Schubladen stecken muss. Denn ja, gender UND sex sind Konstrukte kultureller Diskurse (ich verweise wieder auf die Lektüre von Judith Butler, wer sich dafür interessiert).

Auch die Kategorien homo-hetero-bisexuell basieren letztlich auf diesem binären Modell. Sie sollten eigentlich überflüssig sein, denn ich finde, Menschen sollen einfach Menschen lieben können. Was auch immer für ein Geschlecht diese Menschen dann haben sollten. Dann braucht es auch keine krampfhafte Unterscheidung zwischen Hetero-Homo-Ehe. Liebe, Ehe, zwischen zwei Menschen, das ist alles.

Ich verstehe einfach nicht, was dagegen spricht, den Feminismus in Ehren zu halten und für die heutige Zeit einen zeitgemäßeren Begriff zu benutzen, der heute wieder genauso visionär sein kann wie es der Feminismus mal war. Benjamin Siggel hat da ja schon Arbeit geleistet und Equalismus als gesellschaftliche Plattformneutralität beschrieben. Wunderbar. Da bin ich dabei, endlich macht mal jemand einen Schritt nach vorne, als immer nur auf der Stelle zu treten.

So, jetzt bin ich auch mal meinen persönlichen Senf wieder losgeworden.

Obligatorisch: Der Jahresrück- und -ausblick

Schon seit November wird man mit diversen Rückblicken in Fernsehen, Radio und Zeitschriften bombardiert, und das ja auch nicht ohne Grund, denn der Jahreswechsel bringt mich, wie auch die meisten anderen Menschen, regelmäßig zum Grübeln. Wie schnell die Zeit vergeht, wieviele Jahreswechsel man noch so miterleben wird, was bis dahin passiert, was man im letzten Jahr alles so gemacht hat, was man im letzten Jahr alles machen wollte und was man im nächsten so machen will.

Ich kann sagen: 2009 war toll, und meinte es gut mit mir. Es hat sich ergeben, dass ich 2010 nach Australien kann, ein glücklicher Zufall hat mich in eine wundervolle Wohngemeinschaft und in ein Filmprojekt hineingespült, und ich habe sehr viele wahnsinnig tolle Menschen schätzen und lieben gelernt. Ich habe mich mit einigen meiner innersten Wünschen versöhnt und sie mir einfach erfüllt, und es mag kitschig klingen, aber ja, liebt man die Welt, das Leben und sich selbst, liebt einen die Welt ein bisschen zurück. Dieses Jahr hat mir das Vertrauen gegeben, dass egal wo, mehr Glück, Liebe und Freundschaft auf einen wartet als man glauben mag – im Vertrauten wie im Fremden.

Mit diesem Vertrauen gehe ich in ein neues Jahr, in dem sich ebenso viel tun wird und in dem ich dieses Vertrauen gewiss brauchen kann. Ein Jahr in Australien, auf der anderen Seite unseres kleinen Planeten, was so spannend wird, dass mir fast schon ein wenig mulmig zumute ist. Aber nur fast. Keine vier Wochen mehr, und das Abenteuer Australien ist schon in vollem Gange.

Dieser Blog wird hoffentlich ein kleines Fenster sein in dieses Abenteuer, vielleicht werde ich hier ein bisschen etwas umgestalten, mal auf Englisch schreiben und neue Kategorien erfinden.

Ich freue mich auf das Jahr 2010, auf viele neue Erfahrungen und Freunde in einem wundervollen Land, und genauso freue ich mich, 2011 die Freunde wiederzusehen, die ich bereits liebgewonnen habe.

Das war mein ganz und gar kitschig-optimistisches Wort zum Jahr 2009 und 2010, und abschließen möchte ich mit den Top 15 der meistgegoogelten Begriffe, über die Leute mehr oder weniger zufällig (und sicher mehr oder weniger angetan) auf diesen Blog gestolpert sind:

crazykaro 385
keinohrhasen 375
legen wait for it dary 177
hello kitty 156
riesenhornisse 134
crazykarosblog 115
krücken 109
joker perücke 109
marienkäferlarven 108
kreuzband op 84
wunderbeeren 78
hello kitty kostüm 75
op 74
riesen hornisse 72
meniskus op 65

Die Prinzessin und das Krokodil

Heute mal wieder ein kleiner Musiktipp, den ich fast ganz unkommentiert lasse, weil er a) auch für sich alleine schön genug ist und b) ich auch wirklich überhaupt gar nichts über die Interpreten weiß. Außer, dass ich diesen grandiosen Song in dem Film Was nützt die Liebe in Gedanken gehört habe. Deshalb lassen wir jetzt die Töne sprechen.

Das muss Liebe sein

Solche Initiativen bringt übrigens wirklich nur die GIGA-Community zustande:

Fan-Initiative will GIGA bei der ARD unterbringen

Vor knapp einer Woche überraschte Premiere mit der Ankündigung, den Gaming-Sender GIGA TV einzustellen. Da die Fans das Ende des Senders nicht einfach so hinnehmen wollen, haben Sie einen kühnen Rettungsplan entworfen: Die ARD soll das Format übernehmen (…).

Genau das war an GIGA und seiner Community so bemerkenswert und einzigartig. GIGA hat emotionalisiert. GIGA hat polarisiert. GIGA gegenüber konnte man nicht neutral sein, entweder man hat es abgöttisch gehasst oder abgöttisch geliebt, aber immer waren Emotionen im Spiel. Kein anderer Fernsehsender und keine andere Fernsehsendung wird jemals solche Fans haben, die bei der Roadshow in Stuttgart den Weltuntergang mitausharrten oder in Oberhausen durch ihre schiere Masse die Schwedengitter zum erzittern brachten.

GIGA war ehrlich. Wenn die Moderatoren das Spiel “Ponyhof 3″  scheiße fanden, haben sie das eben auch so gesagt. Ungeachtet der Konsequenzen, dass der Publisher des Spiels wohl weder so schnell wieder Werbung schalten noch andere Spiele zum rezensieren schicken wird. GIGA war zumindest ein letztes, kleines Stück Authentizität in der Fernsehlandschaft für Jugendliche. Bei GIGA fielen Kamerafrauen vom Sofa, Moderatoren vom Stuhl und Geburtstagstorten auf den Boden, das Licht ging mitten in der Sendung aus und der Feueralarm an, und die Moderatoren merkten auch mal gar nicht, dass die Sendung schon angefangen hatte.

Für diese Echtheit wird GIGA selbst nach einem so langen Kampf, so vielen Widrigkeiten und Schwierigkeiten im Programm- und Senderkonzept noch geliebt. So sehr, dass sogar zum bitteren Ende Rettungspläne geschmiedet werden, die so kühn sind wie von Captain Jack Sparrow höchstpersönlich…

Impressionen: Keinohrhasen

Eine Zeit lang wurde man ja mit Werbung für den Film geradezu überschüttet, und damals wollte ich Keinohrhasen schon unbedingt sehen. Deshalb musste ich ihn mir jetzt doch noch angucken.

Alles in allem, ein ganz wunderbarer Wohlfühlfilm, der sich sowohl für einsame Fernsehabende, zum gucken mit der besten Freundin, mit dem Partner oder auch mit der ganzen Famile (aber ohne Kinder) hervorragend eignet. Man sich nur erst an den oft ins comichaft überzeichneten Humor sowie die ebenso skurril überzeichneten Bilder gewöhnen. Das klappt bei den Bildern bereits mit der ersten Szene, in der ein herrlich durchgeknallter Jürgen Vogel als er selbst auftritt, beim Humor dauert das etwas länger. Aber spätestens wenn Til Schweiger in Kinderhor(s)t gesagt wird, er solle aufs Schneewitchen pinkeln und Rick Cavanian als Bildzeitungschef den ersten Ausraster hat, und allerspätestens wenn der Keinohrhase durch das Fischauge von Annas Wohnungstür guckt, hat man beschlossen, diesen Film eben zu lieben wie er ist. Was sowieso die Kernaussage des Films ist: Menschen, Hasen und Kinder so zu lieben, wie sie sind, mit ihren kleinen und großen Fehlern.

Was außerdem am Film auffällt, ist, dass Til Schweiger unglaublich schnucklige Kids im echten Leben hat, die auch so ziemlich die charmantesten Darsteller im Film sind (neben den anderen Kids, die sind alle wundervoll).

Was wiederum bei der DVD auffällt, ist die nicht enden wollende Selbstbeweihräucherung vom Herrn Schweiger, die einem in allen Bonusfeatures entgegenschreit. Klar, wer Regie, Drehbuch, Produzent und Hauptdarsteller macht, hat das in einer gewissen Weise auch verdient, aber ein etwas subtileres Eigenlob wäre hier angebracht gewesen.

So oder so, die Bilder sind toll und von einer grandiosen Farbigkeit, die Geschichte total süß mit der richtigen Mischung an Sex und Drama, der Film versprüht positiv den Charme eines nicht allzugroßen Budgets und Nora Tschirner muss man als hässliches Entlein einfach lieben. Und den Keinohrhasen sowieso. Deshalb zum Abschluss noch eine meiner Lieblingsszenen:

Der perfekte Mann… zumindest auf der Leinwand

Frauen verführen leicht gemacht, meine Herren. Gaaanz leicht. Einfach Kate & Leopold gucken. Leopold ist ein Duke aus dem Jahre 1876 und wird auf wundersame Weise ins heutige New York transportiert, wo er sogleich Mag Ryan höchst erfolgreich verführt.

Und Leopold ist einfach der perfekte Mann. Schon komisch, wie wir postfeministischen Frauen dann ja doch wieder auf den Gentlemen aus dem Jahre 1876 stehen, der uns auf Händen trägt, die Türen aufhält, ein Dinner bei Kerzenschein und Geigenmusik auftischt, höflich ist, zum Theater ausführt und Sinn für Kunst hat und für den eine Frau nicht nur eine Frau, sondern vor allem eine Lady ist. Und der dazu noch so unfassbar männlich ist, dass er einem Verbrecher auf einem Pferd hinterherreiten und diesen mit einem Zügel dingfest machen kann. Und uns mit einer eleganten Bewegung kraftvoll mit aufs Pferd zieht. Nicht genug, ist Leopold aus diesem Film nicht nur der perfekte Mann, NEIN, es ist auch noch Hugh Jackman, sexiest man alive.

Herr, die Not ist groß

Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.

(Der Zauberlehrling, J.W. v. Goethe, Weimar, 1797)

Manchmal holen mich Geister der Vergangenheit ein. Geister, die ich normalerweise tief in eine Schublade im hintersten Winkel meines Gedächtnisses vergraben halte. Oft kommen sie da nicht heraus, aber wenn, verfolgen sie mich umso härter. Und schmerzhafter.

Glück und Traum

Du hast uns oft im Traum gesehen
zusammen zum Altare gehen,
und dich als Frau, und mich als Mann.
Oft nahm ich wachend deinem Munde,
in einer unbewachten Stunde,
So viel man Küsse nehmen kann.

Das reinste Glück, das wir empfunden,
die Wollust mancher reichen Stunden
floh, wie die Zeit, mit dem Genuss.
Was hilft es mir, dass ich genieße?
Wie Träume fliehn die wärmsten Küsse,
und alle Freude wie ein Kuss.

(J.W. v. Goethe, Leipzig, 1768)

Das Gummibärchen-Orakel oder Zur Deutung von Sternzeichen

Die Grillwürste waren verspeist, Sekt und Bier getrunken, die Salate verputzt, und gerade waren wir in die Halbzeitpause mit einem 1:0 Vorsprung gegen Polen durch ‘Poldi’ entlassen worden. Was tut man da sinnvolles in dieser überflüssigen und doch so wichtigen Zwischenzeit eines Fußballspiels?

Man kann zum Beispiel eine Runde mit Gummibärchen orakeln. Man braucht eine Tüte Gummibärchen. Und eine Deutungsanleitung. Dann zieht jeder mit verbundenen Augen fünf Bärchen und der tiefsinnige Partyspaß kann losgehen.

Jeder in meinem Umkreis zieht natürlich eine bunte Mischung aus roten, gelben, grünen, weißen, und orangen Bärchen – während ich, als ich die Augen wieder öffne, sofort das Verhängnisvolle in der Kombination von vier roten und einem gelben Gummibärchen in meiner Handfläche sehe. Zwei Deutungsvariation haben wir zur Hand, ein allgemeines und ein Liebesorakel. Hier die Ergebnisse:

Ungeduld, Überdrehtheit, Konzentration

Wissen Sie, wer vier dicke rote Klunker in seiner Krone trug? Nero, der römische Kaiser. Einer von den ganz sympathischen Leuten. Der es vorzog, seine Stadt anzuzünden, weil es ihm zu kompliziert war, sie zu regieren. Kennen Sie das? Dass Ihnen Sachen zu kompliziert sind, und dann hauen Sie drauf? Oder fällen irgendeine Entscheidung, um das Problem nur los zu sein? Und geraten in Wahrheit desto tiefer in die Verstrickung? In so einer Situation befinden Sie sich jedenfalls jetzt. Hormone, die für Ungeduld, Aggressivität und Überdrehtheit zuständig sind, werden bei Ihnen gerade zu einem besonders giftigen Cocktail gemixt. Gut, wenn Sie gerade zum Hexensabbath aufbrechen. Schlecht, wenn Sie irgendetwas Vernünftiges zustandebringen wollen. Schlecht auch, wenn Sie Selbstvertrauen oder nur Ruhe finden möchten. Viermal Rot ist nämlich eine Alarmkombination. Eine, die entweder Ihnen oder anderen Angst macht. Die überdies Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, hohen Blutdruck beschert. So, aber jetzt haben Sie noch ein gelbes Bärchen gezogen. Und das ist Ihr Glück. Da winkt Ihr Ausweg. Gelb bedeutet zunächst einmal: Arbeit. Bedeutet konzentrierte Aktivität. Zum Beispiel im Job. Oder im Studium. Oder wo Sie sonst ranklotzen müssten. Tun Sie das. Wo immer Sie gefordert werden, können Sie Ihre wildernden Kräfte jetzt bündeln – und Erfolg haben. Denn Gelb heisst auch: Zaster winkt. Heisst: Ihr Ehrgeiz erwacht. Und wenn Sie mal auf hitzige Entschlüsse, Türenschlagen, Trennungstritte verzichten, dann können Sie mit Ihrer gesammelten Energie viel erreichen. Und wir würden aufatmen.

Hm. Oh je. Vielleicht “Pech im Standard-Gummibärchenorakel, Glück in der Liebe?”

Welcome im Red Light District!

Sie nun wieder. Wir hätten es ja ahnen können. Sie mit Ihrem Appeal. Mit Ihrem manchmal etwas schrägen Blick. Und mit Ihrer Liebe zum Meer. Sie waren mal in Shanghai? Na, nicht in diesem Leben. Aber in Ihrer letzten Inkarnation, so vor ungefähr hundert Jahren, als noch richtig was los war in Shanghai. Damals haben Sie sich da herumgetrieben. Am Hafen. Sie wissen doch noch, wie das war, am Hafen von Shanghai? Vier Häuschen mit einer roten Laterne über der Tür, dann eines mit einer gelben Laterne, dann wieder vier rote, dann ein gelbes und so fort, die ganze Mole runter. In den roten Häuschen wurde die Liebe gesucht, vielleicht auch gefunden, im gelben wurde bezahlt. Viermal rot, einmal gelb. Genau die Farben, die Sie jetzt gezogen haben. Es gibt keinen Zufall. Sie haben diese tiefe Sehnsucht nach Liebe. Und diese etwas abwegige Art, sie zu suchen. Sie haben dieses grosse Verlangen. Und wissen nicht genau, wie es erfüllt werden kann. Entsinnen Sie sich, wie Sie damals durch die unbeleuchteten Gassen gestreunt sind? Jetzt streunen Sie durch die unbeleuchteten Gassen Ihrer Gefühle. Erinnern Sie sich, wie Sie in wüste Prügeleien verwickelt wurden, natürlich immer ohne eigene Schuld? Inzwischen haben Sie sich weiter entwickelt. Jetzt finden die Prügeleien in Ihrem Inneren statt. Immer Sie gegen sich selbst. Denn viermal rot: Das bedeutet, dass viel kraftvolle Liebesenergie unterdrückt wird. Gerade Zahlen zeigen nach alter Orakel-Tradition immer an, dass etwas stagniert, dass etwas unterjocht und zurückgehalten wird. Und das ist bei Ihnen nichts anderes als die Leidenschaft. Inzwischen hat sich davon soviel gestaut, dass Sie sich selbst davor fürchten. Und sich selbst dafür bestrafen. Okay, sind Sie bereit einen kleinen Preis zu zahlen? So wie damals, im Häuschen mit der goldgelben Laterne? Ja, dazu sind Sie bereit. Sonst hätten Sie nicht das gelbe Bärchen gezogen. Damals war man mit einem kleinen Goldnugget dabei. Was der Preis diesmal ist, wissen Sie schon. Es dämmert Ihnen in diesem Augenblick. Ja, Sie müssen etwas opfern. Etwas von dem, was Sie nach aussen zeigen. Etwas von Ihrer Fassade. Von dem also, was ohnehin nicht zu Ihnen gehört. Sie brauchen Ihren Ruf nicht gleich ganz zu ruinieren. Es reicht, wenn Sie etwas ungenierter leben. Lassen Sie den Bären los. Vielleicht am Anfang nur ein Bärchen. Lassen Sie es steppen. Und bald geniessen wir alle den Tanz Ihrer wunderbaren Leidenschaft.

Soso. Nun gibt es ja zwei unterschiedliche Sorten von derlei Hokuspokus. Die Weissagung, die in die Zukuft blickt (“Die Kristallkugel sagt, sie werden am 18. Juni ihre große Liebe treffen…”), und diverse Orakel, die uns versuchen etwas über uns selbst zu erzählen, das wir meist eh schon wissen, aber nicht wahrhaben wollen (Sternzeichen, Gummibärchenorakel,…). Als aufgeklärter, rationaler, postmoderner Mensch ist es natürlich total irreal und absurd zu glauben, ein Gummibärchen, eine Tarotkarte, irgendein nichtsnutziger Stern in Lichtjahren Entfernung hätte auch nur den geringsten Einfluss auf unser Sein. Und den ganzen Prophezeihungsquatsch hat sich der moderne Mensch bereits mit der “self fulfilling prophecy” abgetan.

Doch warum hat solch Irreales Tun der zweiten Sorte, also Sternzeichen und Gummibärchenorakel, immer noch so große Faszination auf uns, auch wenn keiner wirklich ‘daran glaubt’? Weil sie ein Impuls sind, uns mit uns selbst zu beschäftigten, auf einer Ebene, die wir normalerweise gerne in die dunkle Welt des Unbewussten abschieben, um uns eben nicht damit beschäftigen zu müssen. Egal, wieviel von so einem Orakel oder Sternzeichenbeschreibung denn am Ende wirklich stimmt, wir gehen in uns und stellen uns eben diese Frage. Wieviel davon stimmt. Es sind Impulse, die uns so etwas vermitteln wie “Hmm, so habe ich mich noch nicht betrachtet, ich muss wirklich mal mehr auf das und das achten”. Vielleicht kommt man auch zum Schluss, “Nee, das bin ich ja mal gar nicht” – und trotzdem hat man irgendwie über sich nachgedacht und mit Fragen zu seinem Selbst beschäftigt. Ob chinesische, europäische oder indianische Sternzeichen, ob Gummibärchen- oder Weisheitszahnorakel, sie alle dienen nur dazu, Unsichtbares in uns selbst sichtbar zu machen, an die Oberfläche zu holen. Natürlich hängt unser Wesen nicht von der Farbe eines Gummibärchens ab, die Gummibärchen/ Sternzeichen/ [bevorzugtes Orakelobjekt einsetzen] helfen uns nur, unser “Wesen” – was immer das auch sein mag – ein wenig besser kennenzulernen.

Ich bemühe mal die schöne Metapher von Douglas Adams, der in seinem vierten oder fünften Buch vom “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” eine aufgeklärte Journalistin loslässt auf eine Frau, die ein Sternzeichenbuch veröffentlicht hat. Die wiederum folgendes Bild bemüht: Man stelle sich einen Notizblock vor, auf den man etwas mit Kugelschreiber schreibt. Dann reiße man die beschriebene Seite ab und werfe sie weg. Nun hat man ein leeres Blatt vor sich. Man nehme etwas Eisen- (oder Blei? Graphit? Schon etwas länger her seitdem ich das gelesen habe) Staub und puste den nun über das vermeintlich leere Blatt. Und plötzlich wird wieder teilweise sichtbar, was da schon vorher geschrieben stand, was sich durchgedrückt hat, was man aber zuerst nicht sehen konnte. Es hat ein Hilfsmittel gebraucht, um die verborgenen Dinge wieder sichtbar zu machen. Und dieses Hilfsmittel können – jetzt im übertragenen Sinne – Sternzeichen oder Gummibärchen sein, es kann wahr oder falsch sein was beim Orakel oder Horoskop rauskommt. Wichtig ist, wie wir diese Ergebnisse anwenden, um vielleicht einen etwas anderen Blickwinkel auf uns selbst zu erlangen.

Wer nun neugierig auf das Gummibärchenorakel ist oder auch einfach nur einen kurzweiligen und ganz profanen Zeitvertreib für eine Party oder Halbzeitpause sucht: Auf Amazon gibts die Bücher, und HIER gibts die Ergebnisse sogar online. Abgesehen von dem ganzen Sebstfindungsquatsch kann es auch einfach ein feucht-fröhlicher Spaß sein, den liebsten Freund mal ungeniert mit Kaiser Nero vergleichen zu dürfen.

Dear beloved…

Der kalifornische Supreme Court hat entschieden: Gleichgeschlechtliche Partner dürfen genauso heiraten wie Mann und Frau. Toll, denkt man sich da, Liebes Amerika, willkommen in der modernen Welt. Wären da nicht die Unsummen an lächerlichen Reaktionen auf diese Entscheidung. Wie die Überschrift zu dieser “Untat” des kalifornischen Gerichtshofes zum Beipiel beim Newsportal VirtueOnline.org aussieht (“TugendOnline” – was für ein Blödsinn) könnt ihr euch sicher denken: “Kalifornischer Gerichtshof zwingt dem Staat die homosexuelle ‘Ehe’ auf”. Das Wort ‘Aufzwingen’ spricht da schon Bände. Und ‘Ehe’ in Anführungszeichen, wohlgemerkt.

Da wird dann zum Beispiel stolz berichtet, dass ja schon 1,1 Millionen Kalifornier ihre Unterschrift gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auf ProtectMarriage.com eingereicht haben. Herrjee. 1,1 Millionen Leute, die anscheinend in ihrem Leben nichts besseres zu tun haben, als anderen Leuten ihr Leben schwerzumachen. Hallo, habt ihr keine anderen Probleme? Kriminalität, Gewalt, Drogen, die Zerstörung unseres Planeten, sucht euch was euch gegen was ihr kämpft. Und kehrt doch vor allem erst mal euren eigenen Mist bevor ihr anderen Leuten vorwerft, welchen zu produzieren.

Und dann wird da jemand zitiert, der vor dem Zitat erst mal als “ehemaliger Homosexueller” tituliert wird. Was für ein himmelschreiender Blödsinn! Da wird in einem lapidaren Nebenkommentar erst mal impliziert, dass Homosexualität sowas wie eine Krankheit oder ein Irrglaube sei, etwas, dass man abstreifen kann wie einen Mantel. Und zum anderen möchte man sich damit seiner eigenen Unschuld und Pseudo-Toleranz vergewissern, nach dem Motto “Hey, wir sind doch alle so tolerant, wir lassen sogar einen ehemaligen (!!!) Schwulen zu Wort kommen”.

Dem nicht genug, setzt das Zitat selbst von diesem “ehemaligen Homosexuellen” dem ganzen die Krone auf. Da denkt man sich ja eigentlich, dass diese armen Leute einfach keine anderen Probleme haben, dass ihnen langweilig ist oder dass sie einfach Spaß haben, anderen Leuten das Leben zu vermiesen. Aber nein! Natürlich haben sie einen guten Grund: “My immediate concern is for America’s children — children who will be deceived into believing this sinful activity is normal and natural: it is not.”

Argh. Na klar, die unschuldigen Kinder müssen wieder als Ausrede für menschenverachtendes Tun herhalten. Also ich bin jetzt kein Experte und weiß keine Zahlen, aber ich möchte auch gar nicht wissen wieviele Kinder in gemischtgeschlechtlichen Ehen in Kalifornien und anderswo geschlagen, gequält, missbraucht, vernachlässigt und “zur Sünde geführt” werden, um mal im Vokabular der Herren VirtueOnline zu bleiben.

Wahrscheinlich ist das ganze intolerante Gesocks in seinen eigenen gemischtgeschlechtlichen Ehen unglücklich, und gönnt anderen Paaren ihr Glück nicht, die halt zufälligerweise nicht gemischtgeschlechtlich sind. Anders kann ich es mir nicht erklären, es gibt keinen rationalen, objektiven Grund, außer Neid, Missgunst und Engstirnigkeit. Was macht es für einen verdammten Unterschied wenn zwei Menschen sich lieben, was für ein Geschlecht, Rasse, Nationalität, Glaube, sonstwas sie angehören?

Es kommt selten genug vor, dass sich zwei Menschen uneingeschränkt füreinander bestimmt fühlen. Und ihnen aufgrund einer so arbiträren Kategorie wie Geschlecht ihr Glück zu verweigern, ist für mich Menschenverachtung und Frevel aus Langeweile und Neid. Liebe Kalifornier und andere engstirnige Amerikaner, Deutsche und überhaupt alle Erdenbürger die ebenso denken: Kümmert euch um die wirklich wichtigen Probleme auf dieser Erde und lasst Liebespaare heiraten wen sie wollen.