Tag Archive for Kunst

Schuhe aus den Hufen von Kühen sind…

…ja was sind sie denn? Grund großer Aufregung. Wie schon der Orvillecopter.

“Oh nein, das ist doch abartig/krank/widerlich/eklig/satanistisch!” “Die armen Tiere!”

Öhm. Da regen sich also Leute auf, die Kühe essen (größtenteils, die Veganer/Vegetarier sind sicher die Minderheit unter denen, die am lautesten schreien), was ja auch die Todesursache der besagten Kühe ist, aber wenn jemand wie die Berliner Künstlerin Iris Schieferstein die ‘Abfälle’ wie die Hufe verwertet der ohnehin schon toten Tiere, dann ist das also abartig?

Das will mir nicht eingehen. Für die Hufschuhe oder Taubenhüte wird im Gegensatz zur industriellen Massentierhaltung keinem lebenden Tierchen ein Haar gekrümmt. Menschen züchten unter ‘menschen’unwürdigen Bedingungen alle möglichen Tiere zum Verzehr, sie tragen Krokodilleder, machen Klaviertasten aus Elefantenzähnen, und gegen Pelze als Modeacessoire jeglicher Art regt sich auch kein großer Widerstand mehr. Die oben genannte Künstlerin (und auch der Macher des Orvillecopters) dagegen nehmen nur Körper(teile) von ohnehin schon toten Tieren.

Wieso also die Entrüstung? Leder ist ok, Hufe nicht? Wieso genau? Als Armbanduhr oder Handtasche ist es ok, als Schuh nicht? Und inwiefern ist jetzt eine Handtasche oder eine Armbanduhr (für die Tiere ja extra gezüchtet werden) nützlicher oder legitimer als ein Spielzeughelikopter aus einer Katze? Wieso sind Ausstellungen von besonders schön ausgestopften Tieren ok, aber eine ohnehin verendete Taube als Hut nicht? Inwiefern ist es für einen toten Hasen von Bedeutung, ob er zu einem Kleidungsstück wird oder langsam an der Autobahn verrottet?

Ich verstehe es nicht. Und wenn man Tiere schützen will, wieso richtet sich dann die Entrüstung nicht gegen die Fleischesser, wegen denen die Tiere beim Schlachter landen, und stattdessen gegen diejenige, die die Abfälle abholt und verarbeitet, die dabei anfallen?

Für mich ist diese gekünstelte Empörung einfach nur heuchlerisch. Da können ein paar laut aufschreien und zeigen, was sie doch für tolle Tierliebhaber sind, während sie sich die 2-Euro-Billighendlbrust vom Aldi reinziehen.

Und nein, ich habe auch keine weiße Weste, auch wenn ich kein Fleisch im Supermarkt kaufe, sondern beim Bio-Metzger. Aber zumindest rege ich mich nicht über Hufschuhe oder Taubenhüte auf.

Webkunst – Digital Art zum mit- und selbermachen

Jüngst im SZ-Magazin und von Mila empfohlen, und sowohl ein Augenschmaus für Design-Liebhaber als auch für verspielte Frohnaturen: yugop.com vom japanischen Designer Yugo Nakamura. Hier kann man sich wirklich einmal treiben lassen, wie auf einer Luftmatratze im Meer der unbegrenzten Möglichkeiten des Webs herumpaddeln. Der Sandstrand unter den Internetseiten, sozusagen. Mein Favorit unter den aktuellen Sachen ist übrigens “01 : BORDER” – einfach mal ausprobieren. Viel interessanter ist aber eigentlich das ausufernde Archiv, da habe ich auch mein bisheriges Lieblingsstück an Web-Art entdeckt: Hier und dann die Nummer 16, “Line X 50″. Das macht so Spaß, und man möchte am liebsten gleich einen Print-Button dazu und sich diese flüchtigen, zarten Liniengebilde für immer konservieren. Aber das ist ja auch das schöne, man kann es immer wieder neu machen. Das und viele andere Kunststückchen.

Nur den Sound-Off-Knopf habe ich noch nicht gefunden, das Gepiepe macht mich nämlich total panisch (wahrscheinlich weil mein Virenscanner ein ähnliches Geräusch bei einem Warnversuch macht und es einem Besetzt-Zeichen am Telefon ähnelt). Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch – wenn man es gar nicht mehr aushält, einfach ins Archiv abtauchen!

Zwei Perlen der Filmkunst

Heute möchte ich mal zwei absolute Perlen des Kinos küren, die mir heute bei einem Gastvortrag unseres Instituts für Theater- und Medienwissenschaften der Uni Erlangen begegnet sind (“StimmKörper – Zur Synchronisation in Deutschland” von Gereon Blaseio).

Der erste Film bekommt den Preis für den besten Filmtitel: “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“. Der Titel ist so unsinnig und tiefgründig zugleich, dass man nicht weiß, ob man weinen oder lachen, sich vor Grauen schütteln oder vor dem Genie verbeugen soll, das diesem Titel innewohnt.

Ein Italo-Western übrigens, so zur Kontextualisierung des “noch warm”, und vor allem des “schon Sand drauf”.

Der zweite Film hat sich die Ehre der durchgeknalltesten und sinnlosesten Synchronisation aller Zeiten verdient. Wobei er auch bei der Kategorie “Kreativster Filmtitel” ein Top-Oscar-Anwärter wäre: “Schlitzohr und Schlitzauge – Der Dampfhammer von Send-Ling“.

Man beachte das hochgeistige Wortspiel mit Sendling, aber das versteht man erst wenn.. ach, seht selbst, das ist unbeschreiblich:

Tusch und Applaus!

Ein kleiner Gedankenknoten

Der gute Franz Kafka. Zitate aus seiner Feder sind oft vorzüglich geeignet, ein paar Hirnsynapsen zu verknoten. Deshalb heute nur ein ganz winzig kleiner Gedankenverwurstler:

“Ein Käfig ging einen Vogel suchen.”

Einfach, aber genial. Und nochmal einer:

“Unsere Kunst ist ein von der Wahrheit Geblendet-Sein: Das Licht auf dem zurückweichenden Fratzengesicht ist wahr, sonst nichts.”

Soviel zu heute. Ein ganz normaler synapsenverdrösel-Tag. Mehr kafkaeske Zitate hier.