Tag Archive for Klinik

Kreuzbandwoche. Tag 6.

Ich habe seit letzten Dienstag keine Nacht mehr durchgeschlafen. Spätestens gegen 4 Uhr weckt mich das Knie. Und auch die Tage werden jetzt irgendwie nicht mehr besser. Mir fehlt die liebevolle und tägliche Lymphdrainage und Krankengymnastik die es in der Klinik gab. Gehen geht wieder schlechter. Morgen die ersten Fäden ziehen von den kleinen Schnitten, beziehungsweise die Knoten entfernen, die Fäden drinnen lösen sich irgendwann von selber auf. Ich bin ungeduldig und griesgrämig und vermisse kleine Fortschritte. Alles doof : (

Kreuzbandwoche, Tag 4

Die Nacht konnte ich zwar immer noch nicht durchschlafen, aber zumindest bin ich nur einmal aufgewacht heute. Und ich kann schon einigermaßen mit Krücken gehen! Was total toll ist, denn jetzt krieg ich das Essen nicht mehr aufs Zimmer, sondern darf unten im Restaurant mit allen anderen speisen. Und da am Donnerstag mit mir ungefähr 19 andere noch operiert worden sind, findet sich da immer ein lustiges Ründchen aus Kreuzband-/Miniskus-Geschädigten, von denen dann jeder mit der 0-Grad-Schiene, Krücken, Thrombosestrümpfen und einem Schemel für das Bein um den Tisch sitzt. Heute beim Frühstück waren es vier Fußballer und ich. Es ist zwar immer noch alles sehr mühsam, aber zumindest ein klein bisschen mobil sein ist schon eine Wohltat. Trotzdem grausts mir vor morgen, wenn sie mich hier rausschmeißen, ist halt schon angenehm wenn sich so um einen gekümmert wird und man höchstens die 30 Meter zur Physio oder mal die 100 Meter zum Restaurant laufen muss : (

Nachtrag, 14:30 Uhr: Ok, der Nachteil am mobil sein und selber rumlaufen ist jetzt, dass das Knie, das eigentlich nur moderat geschwollen war, jetzt aussieht wie ein dicker Klumpen, weil durch das rumlaufen wohl das ganze Blut ins Gelenk läuft. Aber jetzt nach dem Mittagessen bleib ich erstmal wieder brav liegen, kühle, und mache einen Salbenverband. Und hoffe dass die Schwellung wieder nachlässt…. Hier der Vergleich normales-operiertes Knie:

Kreuzbandwoche, Tag 3

Wieder eine laaange schmerzhafte Nacht hinter mir. Immerhin durfte ich heute duschen, das war toll, wenn auch anstrengender als ein Besuch im Fitnessstudio. Ich war sogar einmal schon unten am Pool und bin einmal rum, aber für den Weg der normalerweise 2 Minuten dauert habe ich fast eine halbe Stunde gebraucht. Alles sehr sehr anstrengend. Im Prinzip kann ich mir nicht mal selber die Unterhose wechseln, Schuhe binden oder Socken anziehen, weil ich den Semitendinosus-Muskel, aus dem die Sehne entnommen wurde (die jetzt ja mein neues Kreuzband ist), nicht so weit strecken darf, also den hinteren Oberschenkelmuskel. Ich werde langsam pessimistisch, den Alltag für die nächsten zwei Wochen alleine bewältigen zu können, ich werd ja allein schon eine Stunde die fünf Stockwerke hochbrauchen.

Hab beim Pflasterwechseln auch zum ersten Mal die Nähte gesehen. Seid froh dass ich den Fotoapparat nicht zur Hand hatte, das sieht echt unglaublich widerlich aus. So fies hätt ich mir das ganze nicht vorgestellt…. ich bin doch etwas geschockt. Außerdem Wahnsinn, wie schnell die Muskulatur abbaut, ich hab jetzt schon das Gefühl mein rechter Unterschenkel ist schon viel viel dünner als der linke…

Kreuzbandwoche, 2. Tag Post-OP

Langsam werden sie Schmerzen ertragbar. Gestern durfte ich ja GAR NICHT aufstehen, ich durfte nicht mal aufs Klo humpeln… Konnte es aber so verzögern dass ich nicht die Bekanntschaft einer Bettpfanne machen musste. Das geht ja mal gar nicht. Aber ich fange von vorne an.

Man wird ja da vor dem OP-Saal erst mal vorbereitet wie ein Geschenk in Geschenkpapier. Hier ne Manschette um den Oberschenkel, da Watte, da ein Klebeband, da ein Mützchen. Dannn gings auf den fiesen OP-Tisch wo noch alle Gliedmaßen einzeln platziert wurden. Es gab auch diesen coolen FIngerclip, den man bei Dr. House immer sieht, der den Puls misst. Und dann gabs urplötzlich eine Atemmaske (nur mit reinem Sauerstoff) und da spritzt der Anästhesist schon eine Spritze voll Narkotika in die bereits in den Unterarm gelegte Infusionsnadel. Und BÄM, da hats mich weggeknallt, aber so richtig. Das war schon ein echt schriller Sekundenrausch. Aufwachen war eigentlich ganz chillig, es war nur saukalt, aber dafür gabs so ne tolle Wärme-Lampe, wie solche die man über kleine Küken hängt. Dann wurde es ziemlich lustig, meine Aufwachnachbarin und ich waren ziemlich aufgedreht und haben mit den männlichen Schwestern rumgealbert. Dann wars schon so gegen 16 Uhr als wir aus dem Aufwachraum ins Zimmer kamen (da liegt man so 2 Stunden, so um halb 12 wird die OP angefangen haben etwa), und da hat man ja dann den ganzen Tag weder was gegessen noch getrunken. Also gabs etwas Suppe, die auch saulecker war, und von der ich ein bisschen was probiert habe. Dann hats aber nicht lang gedauert, und die Suppe hat sich wieder aus meinen Magen aufs Tablett gesellt. Die zwei Nierenschüsseln die die Schwester dann gebracht hat, hab ich auch noch vollgekotzt, und drei Minuten später kam das Abendessen. Na toll. Das ist richtig fies wenn man nichts essen kann aber sauhungrig ist. Nach 3 weiteren Stunden konnte ich dann doch noch was vom kalten Abendessen probieren. Und dann kam eine laaaaange Nacht… Zuerst mehr Schmerzpillen, dann noch ein Schmerztrank, und am Ende konnte ich gegen 2 Uhr nur noch mit einer Schmerzmittelinfusion schlafen. Und dann, heute morgen, musste der Doc die beiden Drainage-Schläuche aus der Wunde ziehen… Alter Schwede, was hab ich geschrien. Das hat unglaublich weh getan. Und dann nicht nur einen Thrombosestrumpf über die frische Wunde ziehen, nein, dann auch noch den zweiten drüber. Die erste Lymphdrainage ging dann ganz gut, nur der nette junge Krankengymnast hat wieder so unglaublich fies irgendwo ans Knie gefasst dass ich ihm am liebsten eine gelangt hätte. Als mir die Tränen übers Gesicht liefen hat er sich aber noch ganz lieb entschuldigt, da sei wohl etwas Blut an die Stelle runtergelaufen, da täte das normalerweise nicht so weh. Aber er sagte auch ich kann mein Knie schon recht gut wieder beugen, und Montag seh ich ihn nochmal. Bis dahin dreimal am Tag 20 Minuten Salbenverband sowie Elektrostimulation für den Muskel Vastus Medialis – letzteres auch alles andere als angenehm. Laufen mit Krücken schmerzt auch noch ziemlich, aber zumindest ist der Grundschmerz nicht mehr so schlimm, nur noch phasenweise. Und gerade hatte ich das erste leckere Essen, das ich voll genießen konnte, ohne aufkommende Übelkeit.

Also so fies und mühsam hätt ich mir das dann doch nicht vorgestellt – ich weiß ja nicht, wie ich schon am Dienstag die fünf Stockwerke in meine Wohnung hochkommen soll. Ich weiß auch nicht, wo ein guter Physiotherapeut in Erlangen ist den ich ja bald kontaktieren müsste, und dann weiß ich erst recht nicht wie ich da jeden Tag hinkommen soll.

Bin also etwas betrübt aufgrund dieser Aussichten und der Schmerzen, aber zumindest hatte ich heut tollen Besuch. Noch ein paar Bilder zum Abschluss (keine Angst, die ekligen mit den blutigen Schläuchen und dem Schmerzkatheter in der Leiste sind nicht dabei – da habe ich die Kamera nicht erreicht die ja zwei Meter vom Bett weg war):

Was außerdem noch extra fies war: Ich hab mir ja extra Spore in die Klinik schicken lassen gestern. Und als ich dann nach der OP im Bett auf meinem Zimmer lag, lag das Paket natürlich auf dem zwei Meter weit weg stehendem Regal und ich durfte mich nicht bewegen…

Kreuzbandwoche Tag 1, Post-OP

Ich würde ja gern ausführlich den Tag beschreiben, aber ich hab zuviele Schmerzen, den ganzen nachmittag gekotzt von der Narkose und jetzt bin ich zu müde.

Aber die OP ist gut gelaufen, das ist die Hauptsache : )

Morgen darf ich auch wieder aufstehen, mehr also morgen. Ich komm außerdem gar nicht an den Fotoapparat ran der nur zwei Meter weg liegt, und ohne Bilder wärs eh langweilig.

Kreuzbandwoche, Tag 1, vor der OP

Gestern nacht gabs Tranxilium-Gute-Nacht-Pillen, damit man auch gut schlafen kann vor der OP. Die machten mich auch wahnsinnig müde, aber einschlafen konnte ich nicht. Dann habe ich vielleicht 5 Stunden geschlafen und den allergrößten Mist geträumt. Dann lag ich wach, gegen halb 4, und musste über den ganzen Mist nachdenken den ich gerade geträumt hatte und das wiederum ging nahtlos über in neuen Mist den ich wieder anfing zu träumen. Und so ging das weiter die ganze Nacht. Da kriegt man schon sowas wie Valium und dann kann man erst recht nicht schlafen. Ungerecht! Ansonsten habe ich mich brav mit antiseptischem Duschgel gewaschen, hab mein rechtes Bein schon mit einem großen Kreuz mit Edding auf dem Fuß markiert bekommen, und natürlich eine Thrombose-Spritze. Von denen ich handtellergroße blaue Flecke kriege, und weil mein Fettgewebe am Bauch dann noch nicht mehr ganz so zahlreich ist, schmerzt die dumme Spritze auch noch. Nicht beim spritzen, aber danach.

Und nun liege ich mit einem schicken Thrombose-Strumpf auf meinem Bett und warte auf die Herren Doktores, die zur VIsite kommen gegen 9 Uhr und einem dann die ungefähre Uhrzeit der OP nennen. Dann werde ich mich ins schicke OP-Leibchen schmeißen und dann ein schickes neues Kreuzband bekommen.

Meine Krücken hab ich auch schon, in tollem azurblau. Vielleicht kann ich ja jetzt noch ein Stündchen schlafen, wenn die Wirkung vom Tranxilium weg ist. Verkehrte Welt. Aber vorher mach ich euch noch ein Bild: