Tag Archive for Deutschland

Geocachplosion!

Hat man einmal mit dem Geocachen angefangen, ist man überrascht, wie unglaublich voll davon die nähere (und auch fernere) Umgebung ist. Um das mal visuell darzustellen:

In Erlangen ist man grob geschätzt in Stadtmitte und Umgebung eigentlich nie mehr als 600 Meter vom nächsten Cache entfernt. Und man entdeckt immer wieder etwas neues, wenn man auf Tour geht: Gestern zum Beispiel habe ich bemerkt, dass Erlangen einen Aromagarten hat. Und dass jeder (!), wirklich jeder Baum in Erlangen (und damit wahrscheinlich jeder Baum in jeder Stadt in ganz Deutschland) zwei fünfstellige Nummern trägt. In gut lesbarer, aber nicht erreichbarer Höhe auf einem an den Stamm genagelten Schild.

Was wäre das für eine gigantische Excel-Tabelle, jeder deutsche Baum samt Nummer, Alter, Art, Größe,… Aber nein, es ist keine schnöde Datei, sondern etwas viel gigantischeres und noch viel bürokratischeres, ein Baumkataster, wie ich gerade wieder gelernt habe. In dem ca. 22 Merkmale zu jedem Baum gespeichert werden, von Holzwert bis zum Sturmnachkontrollkennzeichen. Vielleicht sollte man das Kataster öffentlich zugänglich machen, so wie bei www.was-steht-auf-dem-ei.de – www.was-steht-auf-dem-baum.de oder sowas…

Schland wird Weltmeister!

Ich bin jetzt 99-prozentig davon überzeugt, dass Deutschland 2010 Fußballweltmeister wird. Mir ist nämlich gerade aufgefallen, dass ich da ja in Australien bin. Und es ist ganz klar, dass wenn die deutsche Mannschaft mal wieder Weltmeister wird, das genau dann passieren wird, wenn ich nicht im Lande bin und mitfeiern kann. Und ich befürchte, dass Australien nicht gerade die fußballbegeistertste Nation ist. Ich werde wahrscheinlich wochenlang nach einer Kneipe suchen, in der man die Spiele überhaupt empfängt, und werde dann so ein einsamer, verrückter Ausländer sein, der einer für Australier ganz unverständlichen Sportart zuschaut, in der 11 Mann vermeintlich sinnlos einem runden Ball hinterherlaufen.

Obwohl, vielleicht gibt es da ja eine fußballbegeisterte Strandbar? Ach naja, surfen ist auch schön. Und die surfenden Männer sehen meistens auch besser aus als Fußballer. Mal sehen, ob im Gepäck Platz für mein 1990er-fast-schon-retro-Schland-Trikot ist…

Noch einen Lolli, Mr McCain?

Inwiefern die Obamanie in Deutschland jetzt mehr Wahlkampf, Medienhype oder wirklich gerechtfertigt ist, will ich hier gar nicht näher erläutern. Fest steht so oder so, dass Obama der bessere Kandidat für das amerikanische Präsidentenamt ist, zumindest für jeden, der nicht noch geistig irgendwo nahe dem Mittelalter stehen geblieben ist. Aber während ich McCain bisher für einen bemitleidenswerten alten Mann gehalten habe, der aufgrund seines konservativen Kleingeists nichts besseres zu tun hat, als zum Beispiel gegen Adoptionsmöglichkeiten für homosexuelle Paare zu kämpfen, bekommt er nun zusätzlich die trotzige Note eines vierjährigen Kindes, dem man am liebsten einen Lolli in den Mund stopfen würde, damit es endlich die Klappe hält und aufhört zu whinen, pardon, weinen.

Angesichts der Bilder von Massen begeisterter Menschen, die in Berlin der Rede Obamas lauschten – Massen, von denen jeder deutsche Politiker nur träumen kann – fühlte sich McCain wohl beleidigt; als hätte man ihm den besagten Lolli wieder weggenommen und ihn Obama gegeben. Wie von einem (t)rotzigen vierjährigen Gör kommt nun von McCain prompt die passende Reaktion, mit der er sich – wie auch bei kleinen Kindern der Fall – unfreiwillig der Lächerlichkeit preisgibt: Ein Video, das sich nicht nur über Obama, sondern vor allem über “die Deutschen” lustig macht, und so vor albernen Stereotypen strotzt, dass man sich am Ende wundert, wer sich hier eigentlich über wen lustig macht. Hier schneidet sich Mr McCain ins eigene Fleisch, “ein zweischneidiges Pferd”, wie der verehrte Kollege Budiman sagen würde. Marxisten, Che Guevara, David Hasselhoff, und weitere subversive Kräfte werden da bei den Deutschen und damit bei Obama verortet. Ich empfehle, die YouTube-Version zuerst ohne und dann mit Kommentaren zu gucken.

Und selbst wenn das Video so armselig ist, dass man ohnehin schon nicht mehr weiß, für wen es eigentlich wirbt, darf man es als absolut unangebracht und frech empfinden, dass sich Herr McCain aus blankem Neid und Trotz einer solchen Taktik bedient: Nämlich gleich die kompletten Deutschen mal wieder als Vollidioten hinzustellen, um Obama dann als den König der Narren verunglimpfen zu können und damit die Macht der Bilder abzuschwächen. Die ja im Moment definitiv auf Seiten Obamas stehen.

Nun ja. Da die trotzigen Windungen McCains schon ein solches Negativ-Niveau unterhalb jeder intellektuellen Gürtellinie erreicht haben, das man nur noch als desperate bezeichnen kann, scheinen wir uns ja zumindest wirklich auf dem richtigen Weg hin zu Obama als Präsident zu befinden.

Vielleicht sollte man eine Stiftung gründen, die Millionen von Lollipops über dem amerikanischem Luftraum abwirft. Dann könnten sich die geistigen Kleinkinder wie McCain die Süßigkeiten in den Mund stopfen und sich zufrieden in die Ecke setzen, und es wäre eine wesentlich friedlichere Welt. Schließlich sagte auch George Bernard Shaw angeblich schon 1894: “What use are cartridges in battle? I always carry chocolate instead.”

Ein Sommermärchen – Nur für wen?

Noch etwa sechs Stunden, und sowohl in Deutschland als auch in Österreich werden die Uhren stillstehen, die Straßen wie leergefegt sein und alle Leute ihre Augen auf einen kleinen weißen Lederball richten. Heute steht die Entscheidung an, ob entweder Österreichs Sommermärchen in Erfüllung geht, oder Deutschland ein Sommeralptraum erspart bleibt. Ich werde mich natürlich standesgemäß in mein deutsches WM-Trikot von 1990 werfen und einem Sieg für das deutsche Team entgegenfiebern beziehungsweise -bangen. Aber das eigentlich schöne dabei ist, dass ich – mit Österreich als Heimat meines Herzens – mich freuen kann, egal wer am Ende gewinnt. Ich würde es den Österreichern als vollkommener Underdog auch irgendwie total gönnen, dass sie es reißen heute und am Ende auch mal den EM-Pokal in Händen halten dürfen. Dass die Österreicher “keine Stürmer im eigentlichen Sinne” haben, wie der Radio Jump-Fußballexperte heute erläuterte, und den Ball also nur über die Torlinie hinübernudeln können, macht sie auch irgendwie nur sympathischer.

Naja, ich bin jedenfalls gespannt und freue mich auf das Spiel, ich bin zwar nicht gerade ein Fußballexperte, aber eben einer von diesen partialemotionalen EM/WM-Mitläufern. Wenn Fußball zum kollektiven Fest wird, bin ich dabei!

Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter schön bleibt, schließlich wurden am Samstag ja schon 19 Fußballtrainer auf einmal in Ostwestfalen vom Blitz getroffen, und zwar nicht von einem Blitz der Inspiration, wie er durchaus zu wünschen wäre für die deutsche Mannschaft heute, nein, ein echter Blitz, der die anwesenden Fußballtrainer im Rahmen eines Lehrgangs in “ein helles blaues Licht gehüllt” hat. Nicht dass am Ende noch Gebrauch gemacht werden muss von der Fußballurne, die ein Wiener Bestattungsunternehmen zur EM auf den Markt gebracht hat. Den Vorwurf der Pietätlosigkeit hat das Bestattungsunternehmen übrigens damit kommentiert, dass in Deutschland ja auch Särge mit den Vereinsfarben bemalt werden dürfen.

Wie dem auch sei, packt das Nutella ein, heute Abend gehts rund, und für irgendwen wird es schon in Erfüllung gehen am Ende, das Gummibärchen, pardon, Sommermärchen.

Der grosse Krieg?

Sozusagen ein Nachtrag zu Heidelberg, denn diesem Umstand wollte ich einen eigenen Eintrag widmen, mehr oder weniger losgelöst von Heidelberg. Da war doch an der Karl-Theodor-Brücke eine auf den ersten Blick recht unscheinbare Plakette angebracht, die aber auf den zweiten Blick meine Aufmerksamkeit erregte. Die Brücke war im zweiten Weltkrieg 1945 gesprengt worden und 1947 wieder aufgebaut. Und nun einen close look auf die besagte Plakette:

Ich muss sagen, mir war bisher nicht bewusst, dass der zweite Weltkrieg, während der zweite Weltkrieg noch lief und wohl auch kurz danach (mindestens bis 1947, von wann ja die Plakette stammen muss), gar nicht so hieß. Sondern der “große” Krieg. Wann wurde denn der große Krieg zum zweiten Weltkrieg? Und wieso hieß er nicht vorher so? Brauchte es historische Distanz, um dem Krieg seinen Namen zu geben? War der Schrecken so groß das man einfach kein anderes Wort wusste als “groß” in dem Moment? War das nur in Deutschland so, dass man “der große Krieg” zu sagen pflegte? Wie wurde dann der erste Weltkrieg während dem zweiten Weltkrieg genannt? Und wann wurde dann der erste Weltkrieg zum ersten Weltkrieg? Hatte er vorher auch einen anderen Namen?

Viele Fragen, die sich allein um so eine unscheinbare Inschrift ranken…

Heidelberg – Deutschland für Anfänger

Seltsamerweise steht an Platz Zwei aller amerikanisch-japanischer Touristenträume in Bezug auf Deutschland die kurpfälzische Residenzstadt am Neckar, Heidelberg. Hinter Neuschwanstein, versteht sich. Aber wieso ausgerechnet Heidelberg, fragt man sich so, wenn man selber aus Deutschland kommt. Vielleicht weiß man noch, dass es die älteste Universitätsstadt Deutschlands ist, aber dann weiß man auch schon relativ viel über Heidelberg.

Das Fazit nun nach einem Zwei-Tages-Trip von meiner Seite: Heidelberg ist zwar schön, aber wieso es auf Platz Zwei der Must-See-Liste aller amerikanischen und asiatischen Touristen ist, weiß ich immer noch nicht. Klar, die Burg ist toll und so schön verfallen, aber es gibt sich sicher noch schönere Schlösser hinter Neuschwanstein, aber vor Heidelberg. Ich habe im Wirtshaus/Brauerei Palmbräu das leckerste Bauernbrot mit Griebenschmalz verzehren dürfen, das jemals auf dieser Erde weilte, und die größte und höchste Bambusansammlung in einem Berghanggarten gesehen (die Dinger waren haushoch!). Die Altstadt ist toll und hat viele kleine, schnuckelige Studentenläden sowie Deutschlands größten Absinth-Laden, aber das kann ja auch nicht der Grund sein für die Unsummen an Touristen dort.

Was für mich dann die Frage aufwirft, ob Heidelberg nicht vor allem eines ist: Nämlich das, was sich Japaner und Amerikaner eben unter besonders deutsch vorstellen. Die halbverfallene Ruine scheint einfach genau das zu treffen, was Touristen von Deutschland sehen wollen, und lassen sich auch davon nicht abschrecken, dass in diversen amerikanischen Reiseführern Heidelberg schon als “Lowlight” gehandelt wird, weil es so überlaufen ist. Egal, denn anscheinend gilt immer noch: Hat man Neuschwanstein und Heidelberg nicht gesehen, war man praktisch gar nicht wirklich in Deutschland. Oder hat zumindest keine deutsche Kultur gesehen.

Es war jedenfalls höchst interessant zu sehen wie Heidelberg als ein Urabbild von und für Deutschland an sich konstruiert wird – aber Heidelberg hatte natürlich auch ein paar richtig schöne, kleine, versteckte, ruhige Ecken und Momente. Mein Tip: Palmbräuhaus, Philosophenweg, Schlangenweg, Bergbahn nach oben nehmen und runterlaufen (zumindest von der Mittelstation, über den Friesenweg). Und hier noch ein paar visuelle Impressionen: