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Wahlkampf, Themen, und der “Medienhype”: Meine Eindrücke

[Dieser Post war eigentlich vom 23.9. und er ist jetzt hierher umgezogen von karoline-stiefel.de, da ich diese URL wahrscheinlich anderweitig nutzen werde in Zukunft. Deshalb darf er jetzt hier weiter wohnen]
 

Erst einmal: Danke! Danke für so viel Engagement, danke für Stimmen für mich und das viele Vertrauen, danke vor allem für Stimmen für die Piraten.Wer jetzt enttäuscht ist, dass die Piraten überall um die 2 Prozent geholt haben und bevor jetzt alle groß loslegen, dass wir einfach alles furchtbar falsch gemacht haben (da gibt es sicher einiges, das will ich nicht bestreiten), möchte ich ein paar Gedanken zum 13%-”Medienhype” loswerden, von dem auch die 8%-Landtagseinzüge profitiert haben und wogegen unsere jetzigen Ergebnisse natürlich desaströs scheinen.Meiner Meinung nach lag ein Großteils dieses “Hypes” nicht unbedingt nur bei den Medien (Stichwort: ‘die Medien sind schuld, dass wir jetzt nicht mehr gewählt werden’). Ausschlaggebend war das, was sich die Menschen gedacht haben, die Dinge in den Medien gelesen oder gesehen haben. Das klingt jetzt erst einmal trivial.

Aber es war doch so: da war was neues, das noch kein wirkliches Programm hatte und erst einmal Protest bündelte. Neu und ohne Programm – das heißt eine leere Projektionsfläche für alle Hoffnungen, Ängste und Wünsche von Menschen, die darin allesamt sehen konnten, was sie wollten. Weil alles so unkonkret und noch einigermaßen ‘leer’ war, konnten sich alle ihre persönlichen Wünsche reininterpretieren. Sowas hat natürlich Erfolg. Sehr viel sogar. Das sieht man auch wieder bei der AfD, neu, ohne Programm, man kennt nur ein paar gute Phrasen, schwups, da war wieder eine neue Projektionsfläche. Zum Glück (im Bezug auf die AfD) kann sich diese Art von Erfolg rein logisch betrachtet gar nicht aufrechterhalten, da jede Partei irgendwann konkret werden muss, sei es durch Programm oder konkrete politische Arbeit.

Kaum hatten wir Programm und die Inhalte, von denen uns ‘die Medien’ sagten, dass wir sie möglichst schnell haben müssten, wurden wir nunmal konkreter, hatten ein breit aufgestelltes Programm. Das war auch gut so, aber viele (sicher auch ein paar aus dem eher ‘rechterem’ Spektrum) konnten in uns dann eben nicht mehr das sehen, was sie wollten. Da fielen ganz viele Menschen allein aus diesem Grund weg. Und ich glaube, es ist schlicht und ergreifend wichtig, dass wir diesen Projektions-Effekt bei unserer ‘Fehleranalyse’ berücksichtigen.

So. Was bleibt nun? Ich habe das Gefühl (Gefühl! Ich benenne jetzt keine Fakten), wir haben zumindest (eher in den ‘urbaneren’ Gebieten) eine sehr gut informierte Stammwählerschaft, und von denen sogar in Bayern nicht bedeutend weniger als in anderen Ländern. Sehr gut informiert deshalb, weil die sich wirklich interessieren und selber nachdenken, und sich nicht von Plakaten, Medien, hohlen Phrasen im Wahlkampf, egal von welcher Partei, oder ähnlichem blenden lassen. Ich nenne sie mal die “Trau keinem Plakat Informier dich selbst”-Wähler.

Ich glaube nun, dass wir sehr viele Ressourcen vielleicht auf diese Stammklientel konzentriert haben, die eigentlich gar keine Plakate und keine Flyer brauchten, um uns zu wählen. Die sich selbst informiert haben. Vielleicht kann man genau da Ressourcen freimachen, um neue Menschen zu informieren und zu überzeugen – ohne uns zu verbiegen mag das ein langer, steiniger, aber dafür sehr viel nachhaltigerer Weg sein, (treue) Wähler zu begeistern.Was die Themenauswahl angeht: Ich finde es gut, dass wir inzwischen eigentlich sehr breit aufgestellt sind. Was wir meiner Meinung nach aber tun sollten, wäre:

  1. Mehr zielgerichtet informieren.
  2. In der Kommunikation nach außen und teilweise (nicht nur!) in der parteiinternen Themenentwicklung auf das konzentrieren, was uns von anderen Parteien unterscheidet, was eine breite Basis anspricht und in was wir ‘kompetent’ sind (oder zumindest als solches wahrgenommen werden).

Zu 1.) Mit zielgerichtet meine ich zum Beispiel, dass man in Bayern auf dem Land anders und mit anderen Themen herangehen muss als zum Beispiel in den eher ‘alternativeren’ Vierteln größerer Städte. Da könnte man denke ich noch viel rausholen, wenn wir nicht alle Ressourcen darauf verwenden, Leute anzusprechen, die uns ohnehin schon wählen, sondern wenn wir versuchen, neue Leute mit ins Boot zu holen. Und dabei sehr zielgerichtet vorgehen (wir haben ja viele Themen).

Zu 2.) Ein Fokusthema könnte zum Beispiel sein, Konzepte für Demokratieupdates zu entwerfen. Mehr teilhaben zu können an Politik ist sicher eine sehr breites Thema, für das sich so gut wie keiner nicht interessieren kann, und womit man auch außerhalb der üblichen politischen Lager unterwegs ist. Damit meine ich erst einmal Konzepte wie sich parlamentarische Demokratie beleben lässt, nicht wie man sie durch Abstimmungstools komplett ersetzen kann. Was nicht heißt, dass Experimente mit solchen Tools nicht sehr aufschlussreich sein können. Zum Beispiel die Sache mit “Parliament Feedback” (letzter Punkt, sollte man dann aber so umbenennen, dass es jeder verstehen kann).

Für mich stehen Politikverdruss und Demokratieverfall insofern in einem Zusammenhang, dass sich Leute für etwas, auf das sie glauben keinen Einfluss haben zu können (‘mein Kreuz bringt ja nichts, die machen eh 4 Jahre was sie wollen’, auch einfach nicht interessieren. Dieses Ohnmachtsgefühl ist sicherlich mit dafür verantwortlich, dass die meisten Leute Politik ‘bäh’ finden. Und dann vielleicht 70% wählen gehen, aber davon eben nur eine Minderheit wirklich eine informierte Entscheidung trifft.

Ich glaube, gebt Menschen die Möglichkeit, irgendwie mitzubestimmen, und mit Verschwinden von dem Ohnmachtsgefühl, nichts tun zu können, wird auch wieder Interesse für politische Vorgänge erwachen. Und informiertere Menschen die informierter entscheiden, wäre mit Sicherheit ein Gewinn (oder eine letzte Rettung?) für die Demokratie.

Noch ein Blog?

karoline-stiefel.de? Warum das denn? Das hängt mit der Landtagswahl in Bayern dieses Jahr zusammen. Und meinem Platz auf der Mittelfrankenliste für die Piraten.

Ich bin der Meinung, dass mein politisches Ich sich nicht von meinem restlichen Ich trennen lässt, wie auch, ich kann mich da ja nicht aufspalten. Für was ich mich begeistere, was mich stört, wie ich die Welt und das was darin passiert sehe, was ich daran gerne ändern möchte, das macht mich aus, in aller Gänze und nicht nur irgendeinen Teil von mir.

Also, wieso dann noch ein Blog? Weil ich denke, dass sich während und vor den Wahlen Menschen über mich informieren wollen, wen sie denn da ankreuzen können, und was denn da für Menschen für die Piraten antreten. Ich will ihnen das möglichst einfach machen, und deshalb sammle ich bis zu den Wahlen alles Politische, ein paar Kurzinfos über mich und Infos zu den Wahlen selbst einfach dort, auf karoline-stiefel.de. Dann müssen sich diese informationssuchenden Menschen nicht erst durch belanglosen Kram wühlen, wenn sie nur zu meiner ‘politischen’ Person etwas suchen.

Ich denke, ich werde Posts dann einfach crossposten, sie sind weiterhin Teil vom Regenbogenstrudel (sind ja auch meine Gedanken), zusätzlich gibt es hier dann aber noch die üblichen Verrücktheiten.

So der Plan.

So viel zum Wahl-O-Barometer

Wie bereits berichtet, wurde der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Bayern ja gerichtlich gestoppt. Nun habe ich doch im Nachhinein ein anderes Wahlbarometer entdeckt, von Merkur Online. Und es ist wirklich immer dasselbe, meine politische Meinung passt einfach in keine Partei. Aber “Keiner von allen” gabs leider nicht auf dem Stimmzettel.

Das war mein Ergebnis. Und wie ich es mir schon gedacht (und gemacht) habe, hätte ich eigentlich egal was außer extrem rechts oder links wählen können, es ist irgendwie alles die Katze im Sack.

Habe ich nun so eine seltsame, irre politische Meinung oder stecken die existierenden Parteien einfach alle zu sehr in ihrer Schublade?

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Am 28. September steht ja in Bayern mal wieder Landtagswahl an. Am liebsten würde ich ja nirgends ein Kreuzchen machen und draufschreiben “Keiner von allen” (wie im Buch Schrödingers Katze. Das Universum nebenan – ich habe einfach keine Übereinstimmung mit einer Partei; die eine hat da gute Ansätze, die andere da, aber dafür auch wieder Punkte die meiner Meinung nach halt gar nicht gehen). Aber das ist ja leider auch keine Alternative, schließlich ist jedes Kreuzchen besser als gar kein Kreuzchen, egal wo, Hauptsache weder bei der NPD noch bei den Republikanern. Schlimm genug, dass es diesen Hirnverbrannten überhaupt erlaubt ist, mit ihren rassistischen Wahlplakaten die Städte zu verschandeln. Und irgendwie sind sowieso alle Wahlplakate ziemlich nutzlos in ihrem Informationsgehalt. Bei den Grünen erfährt man nur, dass es für irgendwas Zeit wird, aber nicht für was, bei der ödp lacht einem ein Typ entgegen, der aussieht wie ein Nazi-Pumuckl (pardon wegen der Wortwahl, das ist rein auf Äußerlichkeiten bezogen und keinesfalls persönlich gemeint, aber besser lässt es sich nicht beschreiben), und über die Plakatbeiträge der Republikaner und der NPD muss ich ja kein Wort verlieren über das nicht vorhandene Niveau. Bei CSU/SPD die üblichen schwammigen Nicht-Informationen.  Auch sonst nur nichtssagende, grinsende Gesichter, hier und da mal eine möglichst plakative Aussage zur Bildungspolitik.

Was tut man also als postmoderner Internetmensch in so einer Situation? Man wirft ganz ‘objektiv’ den Wahl-O-Mat an. Der die eigene Position zu bestimmten Fragen prüft und dann ausspuckt, wieviel Übereinstimmungen es mit welcher Partei gibt. Einziges Problem: Zur Landtagswahl wurde der Wahl-O-Mat mit einer gerichtlichen Verfügung abgeschaltet, da einige Parteien darin nicht berücksichtigt wurden. Würden alle Parteien bverücksichtigt, würde die Benutzung des Wahl-O-Mats aber zu kompliziert und langwierig werden, und deshalb ist er jetzt aus. Trotzdem sinnvoll: Die Seite www.werstehtzurwahl.de steht nun statt dem Wahl-O-Mat zur Verfügung. Da kann man immer noch sehr kurz und bündig die Positionen aller zur Wahl stehenden Parteien zu einzelnen Themenbereichen vergleichen. Nur zu empfehlen für alle Unentschlossenen. Also, Kreuzchen nicht vergessen und rechtzeitig für Briefwahl sorgen, wer am 28. September indisponiert ist.

Vom Zuzln und Global Peeling

Ich muss sagen, es ist schon ganz witzig, wie sich Touristen aus aller Welt (oder nördlicheren Teilen Deutschlands) auf einen Besuch in Bayern vorbereiten. Ganz oben auf der how-to-Liste steht nämlich, wie man eine bayrische Weißwurst isst. Da finden sich Anleitungen zu verschiedenen Esstechniken bis hin zu YouTube-Videos sowie sogar ein ausführlicher Aufsatz mitsamt Grafik zum “Thermal treatment of a Weisswurst with process conditions and Save Operation Area (SOA)”.

Mindestens drei unterschiedliche Essarten habe ich beschrieben gefunden:

  • Zuzln
  • Slice-by-slice-peeling
  • Global Peeling

Und am schönsten liest sich die Beschreibung vom Zuzln:

Zuzeln is a term in Bavarian slang and means sucking. The technique is as follows; the first half of the Weisswurst filling is sucked through one open end of the Weisswurst. After that, the rest of the Weisswurst filling is sucked through the other open end. You may notice that in order for this technique to succeed, the Weisswurst must be open at both ends. Therefore you have to cut off the knots and metal clips that may sit on the ends of the sausage before starting to suck. You should also notice that you use your hands for this technique – don’t even try to work it out with a knife and a fork.

You should be warned that Zuzeln is the most complicated technique. If you are not trained to eat your Weisswurst this way, it might end in a mess. It is an art to use this technique without disgusting the other guests.

First you should probably watch this technique several times before applying it yourself. For your initial tries you should especially be careful with your teeth, since the Weisswurst peel is very delicate. If the peel becomes perforated by your teeth, sucking will become impossible. The second thing that is very hard to accomplish is the elegant handling of the empty Weisswurst half when starting to suck at the second end. Since the empty half looks like a condom – which is not very appetizing – you should cover it with the palm of you hand. The same applies if you have finished eating the whole Weisswurst. Then you should try to elegantly put the peel on the plate without dangling it around.

Wie viel Gedanken die sich drum machen, ob das appetitlich aussieht, dass man die Wursthaut ja nicht noch rumwackeln sieht und was die anderen Gäste über einen denken… Als Bayerin kann ich sagen, dass ich mich da überhaupt nicht drum scher. Weis wurscht is. Prost.