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Neue Modelle braucht das Fernsehen

Ich frage mich, wieso jetzt das Fernsehen nach der Musikindustrie die Zeichen der Zeit nicht erkennt und kein vernünftiges Modell zustandebringt, das den heutigen Sehgewohnheiten (zumindest der bis 39jährigen) entspricht. Gerade Fernsehserien werden schon so oft über das Internet geguckt, dass die übliche Quotenmessung wirklich überhaupt nicht mehr aussagekräftig ist. Ob wie hierzulande die GfK oder in Amerika die Nielsen-Ratings – diese altertümliche Messungen entsprechen nicht mal mehr ansatzweise der Realität, wieviele Zuschauer eine Serie zum Beispiel wirklich hat, da andere Verbreitungswege als das klassische Fernsehen ja gar nicht mitzählen. Was dazu führt, dass Serien, die junge Leute lieben und schauen wie blöde (nur eben nicht per klassischem Verbreitungsweg), abgesetzt werden, weil die Quote zu schlecht ist – obwohl die Quote auf anderem Messweg ganz anders ausgesehen hätte. Und irre ich mich, oder sind nicht gerade die 14 bis 39jährigen die Kernzielgruppe, auf die es die meisten Sender abgesehen haben? Gerade in dieser Gruppe gibt es sicher überdurchschnittlich viele, die nur mehr sehr selten das normale Fernsehprogramm konsumieren, und gerade diese Gruppe wird durch die unzeitgemäße Quotenmessung komplett falsch repräsentiert.

Bevor jetzt diese Gruppe kriminalisiert wird, da sie vor allem illegal im Internet amerikanische Serien guckt, ein paar Punkte, wieso das so ist: Wir gehen jetzt mal von den 20 bis 35jährigen in Deutschland aus. Mit der globalen Sprache des Internets, Englisch, gut vertraut, und anspruchsvoll, will sich diese Gruppe keine deutsche Synchronisation mehr gefallen lassen, die ohnehin meist nur den Humor der Serie komplett vernichtet. Das liegt auch gar nicht an der Qualität der Synchronisation oder der Sprecher, sondern schlicht und einfach daran, dass vor allem Wortwitz – wie er oft in solchen Serien vorkommt – nun mal nicht übersetzbar ist. Außerdem will man nicht monatelang warten, bis die Episoden aus Amerika endlich ins deutsche Fernsehen kommen. Da sind Serien ja schon in den USA nach der zweiten Staffel abgesetzt, bis überhaupt mal der Pilot bei Pro7 kommt – und mit DVDs ist es dasselbe. Keiner will solange warten, Serien zu schauen, bis irgendwann mal die DVD kommt. Aus diesen Gründen scheidet also der klassische Vertriebsweg, der Fernseher, also schonmal komplett aus. Ganz generell hat diese Gruppe keine Lust mehr, sich von den Programmdirektoren diktieren lassen zu müssen, wann sie etwas schauen zu haben – sie wollen selbst entscheiden, wann sie etwas schauen.

Bleibt das Internet. Da gibt es zaghafte Möglichkeiten, bei den amerikanischen Netzwerken direkt auf deren Webseite gucken zu können – die haben dann dadurch auch die Chance, bessere Quoten zu errechnen, wenn sie die Downloads/Views der Serienepisode in ihre Ratings miteinbeziehen. Das geht aber nur, wenn man an einem Rechner sitzt, der in den USA steht. Kommt also auch nicht in Frage für deutsche Serienliebhaber. Dann bleibt noch iTunes oder das Angebot von Amazon, sich einzelne Folgen zu laden – aber das ist ja sowas von überteuert, das funktioniert nicht. Bei 3 Euro pro Folge ist die Schmerzgrenze schon lange überschritten. Wenn man alle Folgen so guckt, kann man sich von dem Geld ja die DVD dreimal kaufen. Und wenn man Fernsehen schaut, zahlt man ja auch nichts – da gibt es Werbung.

Also, wieso gibt es nicht eine Möglichkeit, Serien im Original werbefinanziert zu gucken? Von den Netzwerken direkt, legal? Ohne illegale Downloads, ohne kuriose chinesische Seiten, ohne Viren. Dafür mit exakterer Quotenmessung als je zuvor, ein großer Pluspunkte für die Netzwerke. Muss man auch nicht teuer an Nielsen zahlen, nur um dann eine ungenaue, komplizierte Hochrechnung zu bekommen. Ein Blick auf den Viewcounter, schon haben die Sender ihre exakte Zuschauerzahl. Internetwerbung ist nicht so lukrativ? Gut, ich glaube viele Serienliebhaber sind ja durchaus bereit dafür zu zahlen, ihre Serien zeitgleich mit den USA und im Original sehen zu können. Es fehlt nur an einem vernünftigen Konzept. Wie zum Beispiel ein Serien-Abo-Channel. Sagen wir, dort kann man eine oder zwei oder fünf Serien seiner Wahl abonnieren. Man kann dann immer und jederzeit jede Episode seiner ausgewählten Serien schauen, und zahlt dann dafür eben 4 oder 5 oder 10 oder 15 Euro im Monat. Irgendwas in der Richtung eben.

Ich glaube, hier wird genau die Gruppe zwangskriminalisiert, die ja eigentlich als Liebhaber einer Serie die begehrtesten Zuschauer seitens der Netzwerke wären. Treu, jung, gebildet, Merchandise kaufend, wohlhabend. Ein Traum jeder zielgruppenorientierten Werbung. Ich würde übrigens sofort How I Met Your Mother, Pushing Daisies und House M.D. abonnieren. Pushing Daisies, das übrigens im Internet heißbegehrt war und nach der zweiten Staffel wegen zu schlechter Quote abgesetzt wurde…

Die unheimlich(lecker)en Kekse der dritten Art

Diesen Keksen muss man eine Chance geben. Diese Kekse muss man sich entfalten lassen. Diese Kekse verlangen liebevolle Lagerung. Und auch wenn sie anfangs eher an ein Stück Schuhsohle erinnern, geschmacklich wie ästhetisch, wird man am Ende mit – vorher unvorstellbar – leckeren Schoko-Weihnachtsplätzchen der etwas anderen Art belohnt. Die Rede ist von den Unaussprechlichen Basler Brunsli (Wer hats erfunden?).

Frisch gebacken sind diese Kekse nämlich ziemlich hart und zäh. Da kann man dann eigentlich nur die essen, die einigermaßen dick geraten sind. Aber dann heißt es Geduld an den Tag legen. Einfach all die kleinen Möchtegernschuhsohlen in eine Keksdose packen, ein bis zwei Apfelstücke mitreinlegen, und warten (die Apfelstücke aber schon rausnehmen bevor sie schimmeln, nech). Und schon transformieren sie sich langsam aber sicher in zarte, weiche, saftige, unglaublich schokoladige, locker-leckere Plätzchen mit einem Hauch fruchtigem Kirscharoma. Die deshalb so besonders sind, weil sie anders sind als normale Kekse mit Schokolade. Normale Plätzchen sind immer so vollmilch-pappsüß. Das ist zwar auch lecker, aber irgendwann mitten in der Keks-Hochsaison kann man keine mehr sehen. Aber die Brunslis, die sind nicht vollmilch-süß, sondern eher zartbitter-dunkel-süß. Vom Verhältnis her in etwa wie sich Instant-Kakaopulver zu echtem Kakaopulver verhält. Ich kann nur sagen, gebt den Basler Brunsli eine Chance, es lohnt sich!

Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich mal meinen Senf zu Amerikanern und Plätzchen abgeben (ich weiß, ich verallgemeinere hier, man möge es mir verzeihen, ich bin mir bewusst, dass natürlich nicht alle Amerikaner so sind). Es ist wirklich so typisch, bei amerikanischen Rezepten würde dabeistehen, “Plätzchen im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb einer Woche verzehren”. Damit sich jaaaa kein Bakterium auf dem Schokokeks befindet. Was die alles verpassen! Gerade Plätzchen schmecken doch gar nicht bevor sie nicht mindestens zwei Wochen in einer Keksdose gelagert wurden, und zwar nicht im Kühlschrank! Oder, oh welch lebensgefährlicher Frevel, Marmelade selber machen und in eigene Gläser füllen! Das ist ein Zitat aus einem Kommentar zu einem Post von delicious:days:

(…) any university extension educator or USDA nutrition expert will tell you that this is a very risky thing to do!! The temperature reached at the time the seal is in place is not high enough to guarantee that all bacteria have been killed. Adorable gift, yes, but do you really want to risk giving your friends and family a food-borne illness? (…) Please be safe!

Seltsam, Generationen von Großmüttern haben Marmelade selber gemacht und in eigene Gläser gefüllt, und Generationen von Müttern Kekse wochen- oder monatelang in Keksdosen gelagert. Und haben dabei sicher nicht das Leben ihrer Familie und Freunde aufs Spiel gesetzt, sondern für Gaumenfreuden gesorgt. Und selbst wenn mal eins von zehn Marmeladengläsern nicht ganz sauber war, dann schimmelts halt, dann wirft mans eben einfach weg. Man sollte dann nur so schlau sein und es nicht essen, selbiges gilt, wenn zu Ostern ein paar vergessene Kekse von Weihnachten schon Grünspan angesetzt haben. “Nutrition experts” haben für mich in Sachen Plätzchen und Marmelade nichts verloren, da sollte man eher auf den gesunden Menschenverstand hören, wie es immer so schön heißt. Manchmal könnte man echt meinen, der wäre vielen Amerikanern abhanden gekommen, aber naja, so ist das nunmal mit unterschiedlichen Kulturen, wir sind eben wie wir sind. Andere Länder, andere Sitten hätte die Großmutter wohl gesagt.

Gute Hunde kommen in den Himmel…

Aber nur wenn sie katholisch sind. Presbyterianischen Hunden ist der Zugang zum Himmel nach dem Ableben verweigert, wie dieser Kirchenstreit zeigt. Oder zumindest, wenn man dem geschickten Photoshopler glaubt der hier wohl am Werk war.

Palim-Palin: Ironie des Schicksals

Manchmal mag ich das Schicksal – da ist die Vize-Präsidentskandidatin der Republikaner, Sarah Palin, so eine richtig konservative cutthroat bitch, die natürlich treu dem Motto der Republikaner eine “kategorische Gegnerin von Abtreibung, Homo-Ehe und Sexualerziehung in öffentlichen Schulen” ist. Gegner von Sexualerziehung??? Hallo? Auftritt Schicksal: Jetzt stellt sich heraus, ihre 17jährige Tochter ist ungewollt schwanger. Nur weil Frau Palin sich irgendwie zu etepetete ist, das Wort Penis in den Mund zu nehmen (haha) und mit ihrer Tochter über das Thema Aufklärung zu reden, lehnt man gleich mal Sexualerziehung komplett ab. Einfach alles ausblenden für was man sich zu fein ist. Und nun sowas – Juno come true! Arme 17jährige, die die Dummheit ihrer Eltern ausbaden muss. Und deren Jugend jetzt praktisch vorbei ist, weil ihr höchstwahrscheinlich, um die politische Karriere ihrer Mutter zu retten,  von ebenderselben freundlich nahe gelegt wurde, den Kerl der sie geschwängert hat auch noch zu heiraten. Es besteht natürlich die Chance, dass das auch die Liebe ihres Lebens ist, aber nunja, seien wir doch mal ehrlich, mit wem man so mit 17 rumgeknutscht hat… sagen wir mal, die Chance ist eher gering.

Pfui.

Ach ja. Und morgen die Daumen drücken, da gibts das schicke neue Kreuzband. Heute gehts in die Klinik.

Noch einen Lolli, Mr McCain?

Inwiefern die Obamanie in Deutschland jetzt mehr Wahlkampf, Medienhype oder wirklich gerechtfertigt ist, will ich hier gar nicht näher erläutern. Fest steht so oder so, dass Obama der bessere Kandidat für das amerikanische Präsidentenamt ist, zumindest für jeden, der nicht noch geistig irgendwo nahe dem Mittelalter stehen geblieben ist. Aber während ich McCain bisher für einen bemitleidenswerten alten Mann gehalten habe, der aufgrund seines konservativen Kleingeists nichts besseres zu tun hat, als zum Beispiel gegen Adoptionsmöglichkeiten für homosexuelle Paare zu kämpfen, bekommt er nun zusätzlich die trotzige Note eines vierjährigen Kindes, dem man am liebsten einen Lolli in den Mund stopfen würde, damit es endlich die Klappe hält und aufhört zu whinen, pardon, weinen.

Angesichts der Bilder von Massen begeisterter Menschen, die in Berlin der Rede Obamas lauschten – Massen, von denen jeder deutsche Politiker nur träumen kann – fühlte sich McCain wohl beleidigt; als hätte man ihm den besagten Lolli wieder weggenommen und ihn Obama gegeben. Wie von einem (t)rotzigen vierjährigen Gör kommt nun von McCain prompt die passende Reaktion, mit der er sich – wie auch bei kleinen Kindern der Fall – unfreiwillig der Lächerlichkeit preisgibt: Ein Video, das sich nicht nur über Obama, sondern vor allem über “die Deutschen” lustig macht, und so vor albernen Stereotypen strotzt, dass man sich am Ende wundert, wer sich hier eigentlich über wen lustig macht. Hier schneidet sich Mr McCain ins eigene Fleisch, “ein zweischneidiges Pferd”, wie der verehrte Kollege Budiman sagen würde. Marxisten, Che Guevara, David Hasselhoff, und weitere subversive Kräfte werden da bei den Deutschen und damit bei Obama verortet. Ich empfehle, die YouTube-Version zuerst ohne und dann mit Kommentaren zu gucken.

Und selbst wenn das Video so armselig ist, dass man ohnehin schon nicht mehr weiß, für wen es eigentlich wirbt, darf man es als absolut unangebracht und frech empfinden, dass sich Herr McCain aus blankem Neid und Trotz einer solchen Taktik bedient: Nämlich gleich die kompletten Deutschen mal wieder als Vollidioten hinzustellen, um Obama dann als den König der Narren verunglimpfen zu können und damit die Macht der Bilder abzuschwächen. Die ja im Moment definitiv auf Seiten Obamas stehen.

Nun ja. Da die trotzigen Windungen McCains schon ein solches Negativ-Niveau unterhalb jeder intellektuellen Gürtellinie erreicht haben, das man nur noch als desperate bezeichnen kann, scheinen wir uns ja zumindest wirklich auf dem richtigen Weg hin zu Obama als Präsident zu befinden.

Vielleicht sollte man eine Stiftung gründen, die Millionen von Lollipops über dem amerikanischem Luftraum abwirft. Dann könnten sich die geistigen Kleinkinder wie McCain die Süßigkeiten in den Mund stopfen und sich zufrieden in die Ecke setzen, und es wäre eine wesentlich friedlichere Welt. Schließlich sagte auch George Bernard Shaw angeblich schon 1894: “What use are cartridges in battle? I always carry chocolate instead.”

Juhu! Earl, Randy und Crab Man in Deutschland angekommen

Endlich: Die amerikanische Fernsehserie “My Name is Earl” aus dem Hause NBC läuft heute in Deutschland auf RTL an! Um 23.30 Uhr geht es los, und jeder der amerikanische Serien und Anti-Helden liebt, sollte reinschauen. So einen perfekt besetzten Cast hat man selten gesehen, mit so liebevoller Ausstattung und vor allem, so liebenswerten Charakteren. Zusammen mit Monk, Futurama, Friends und Dr. House einer meiner absoluten Serienfavoriten.

Ich weiß zwar noch nicht, wieviel Charme die Serie durch eine deutsche Synchronisation verliert, aber ein Versuch ist es wert, zumindest wenn man noch nicht von den Originalstimmen verwöhnt ist. Ich liebe übrigens Randy’s Logik:

“Being dead is definitely worse than being alive. When you’re dead, you can’t do all the cool stuff you can do when you’re alive. You and I, we can do all kinds of cool stuff ’cause we’re livin’. We’re not dead. We’re alive. If we were dead, we wouldn’t be able to do all the cool stuff we can do because we’re alive. Dead people can’t do cool stuff. Only people that are alive can do cool stuff, because they’re livin’. And you have to be livin’ to be able to do cool stuff. You have to be alive. Yeah, except, when you’re alive, sometimes bad stuff happens, too. Like sometimes you can get in a car wreck, or you can have a headache, or twist your ankle, or even stub your big toe. So bein’ alive is kinda hard, too. But I think it’s definitely better than being dead.”

…and I’m baking a cookie

Ok, neu ist das nicht gerade. Aber ich finde Maz Jobrani wirklich gut, so gut, dass ich ihm trotzdem einen Eintrag widme. Maz Jobrani ist ein amerikanischer Comedian iranischer Abstammung, Mitglied der Axis of Evil Comedy Group – und zeigt, dass man auch politisch brisantere Themen wie Rassismus und Stereotypen aus und gegen Middle East in einem hochwertigen Comedy-Programm verarbeiten kann, ohne die eigene Herkunft nur noch als Farce und Gaglieferant zu sehen. Es muss ja nicht immer so hirnlos-verblödete Schaumbad-Comedy sein, wie sie leider seit längerer Zeit in Deutschland vorherrscht und womit ich mich gar nicht anfreunden kann, abgesehen von wenigen Ausnahmen. Deshalb hier ein kleiner Ausschnitt, mehr gibt es natürlich auf einschlägigen Seiten wie youtube oder der offiziellen Webseite der “Axis of Evil”:

Dear beloved…

Der kalifornische Supreme Court hat entschieden: Gleichgeschlechtliche Partner dürfen genauso heiraten wie Mann und Frau. Toll, denkt man sich da, Liebes Amerika, willkommen in der modernen Welt. Wären da nicht die Unsummen an lächerlichen Reaktionen auf diese Entscheidung. Wie die Überschrift zu dieser “Untat” des kalifornischen Gerichtshofes zum Beipiel beim Newsportal VirtueOnline.org aussieht (“TugendOnline” – was für ein Blödsinn) könnt ihr euch sicher denken: “Kalifornischer Gerichtshof zwingt dem Staat die homosexuelle ‘Ehe’ auf”. Das Wort ‘Aufzwingen’ spricht da schon Bände. Und ‘Ehe’ in Anführungszeichen, wohlgemerkt.

Da wird dann zum Beispiel stolz berichtet, dass ja schon 1,1 Millionen Kalifornier ihre Unterschrift gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auf ProtectMarriage.com eingereicht haben. Herrjee. 1,1 Millionen Leute, die anscheinend in ihrem Leben nichts besseres zu tun haben, als anderen Leuten ihr Leben schwerzumachen. Hallo, habt ihr keine anderen Probleme? Kriminalität, Gewalt, Drogen, die Zerstörung unseres Planeten, sucht euch was euch gegen was ihr kämpft. Und kehrt doch vor allem erst mal euren eigenen Mist bevor ihr anderen Leuten vorwerft, welchen zu produzieren.

Und dann wird da jemand zitiert, der vor dem Zitat erst mal als “ehemaliger Homosexueller” tituliert wird. Was für ein himmelschreiender Blödsinn! Da wird in einem lapidaren Nebenkommentar erst mal impliziert, dass Homosexualität sowas wie eine Krankheit oder ein Irrglaube sei, etwas, dass man abstreifen kann wie einen Mantel. Und zum anderen möchte man sich damit seiner eigenen Unschuld und Pseudo-Toleranz vergewissern, nach dem Motto “Hey, wir sind doch alle so tolerant, wir lassen sogar einen ehemaligen (!!!) Schwulen zu Wort kommen”.

Dem nicht genug, setzt das Zitat selbst von diesem “ehemaligen Homosexuellen” dem ganzen die Krone auf. Da denkt man sich ja eigentlich, dass diese armen Leute einfach keine anderen Probleme haben, dass ihnen langweilig ist oder dass sie einfach Spaß haben, anderen Leuten das Leben zu vermiesen. Aber nein! Natürlich haben sie einen guten Grund: “My immediate concern is for America’s children — children who will be deceived into believing this sinful activity is normal and natural: it is not.”

Argh. Na klar, die unschuldigen Kinder müssen wieder als Ausrede für menschenverachtendes Tun herhalten. Also ich bin jetzt kein Experte und weiß keine Zahlen, aber ich möchte auch gar nicht wissen wieviele Kinder in gemischtgeschlechtlichen Ehen in Kalifornien und anderswo geschlagen, gequält, missbraucht, vernachlässigt und “zur Sünde geführt” werden, um mal im Vokabular der Herren VirtueOnline zu bleiben.

Wahrscheinlich ist das ganze intolerante Gesocks in seinen eigenen gemischtgeschlechtlichen Ehen unglücklich, und gönnt anderen Paaren ihr Glück nicht, die halt zufälligerweise nicht gemischtgeschlechtlich sind. Anders kann ich es mir nicht erklären, es gibt keinen rationalen, objektiven Grund, außer Neid, Missgunst und Engstirnigkeit. Was macht es für einen verdammten Unterschied wenn zwei Menschen sich lieben, was für ein Geschlecht, Rasse, Nationalität, Glaube, sonstwas sie angehören?

Es kommt selten genug vor, dass sich zwei Menschen uneingeschränkt füreinander bestimmt fühlen. Und ihnen aufgrund einer so arbiträren Kategorie wie Geschlecht ihr Glück zu verweigern, ist für mich Menschenverachtung und Frevel aus Langeweile und Neid. Liebe Kalifornier und andere engstirnige Amerikaner, Deutsche und überhaupt alle Erdenbürger die ebenso denken: Kümmert euch um die wirklich wichtigen Probleme auf dieser Erde und lasst Liebespaare heiraten wen sie wollen.

Wenn sich zwei streiten

…freut sich der dritte, und wer anderen eine Grube gräbt… na ihr wisst schon. Traurigerweise bewahrheitet sich ersteres Sprichwort gerade exemplarisch im amerikanischen Wahlkampf. Umfragen zufolge ist nun eingetreten, was bei dem ewigen Kampf zwischen Obama und Clinton leider zu erwarten war: McCain hat nun die Gunst der Mehrheit in den USA.

Applaus. Bravo. Die Democrats als Partei schießen sich echt mal seit geraumer Zeit selber ins Bein (hmm… das Sprichwort geht irgendwie anders…). Mein ehemaliger und sehr geschätzter Kollege und Freund Budi würde sagen: “Ein zweischneidiges Pferd”. Zum einen diese mir unverständliche Misere mit den Stimmen der Deligierten in Michigan und Florida, zum anderen diese nicht endende Schlammschlacht zwischen den beiden Kandidaten. Es liegt ja nun wirklich nahe, dass das schmutzige Wäsche waschen zwischen Obama und Clinton das beste ist, was den Republikanern je passieren konnte im Wahlkampf. Aber wieso um alles in der Welt leuchtet das denn den Democrats nicht ein? Wie kann man denn nur so kurzsichtig sein? Ich muss auch dazusagen, dass ich die Schnepfe Clinton ja gar nicht mag, Frau hin oder her, ich mag sie einfach nicht. Von meiner persönlichen Meinung aber mal abgesehen, liegt sie im Moment hinten, und ich hoffe so so so sehr, dass sie zumindest noch eine sinnvolle Sache tut, und das ist Obama den Vortritt zu lassen und die Schlammschlacht zu beenden, damit die Democrats überhaupt noch eine Chance haben die Wahl zu gewinnen. Dann ist auch endlich mal Zeit und Raum in der Presse um mal schmutzige Wäsche bei McCain zu suchen oder – Hey! – sich mal um die wirklich politischen Themen im Wahlkampf zu kümmern. Das soll ja nicht unwichtig sein, habe ich mal so irgendwo gehört.

Ich glaube, dass man diesen Streit viel früher hätte lösen können, hätte bei den Democrats der (die?) eine oder andere mal weniger an sich, und mehr an die Partei und vor allem an die Bürger Amerikas gedacht… Naja, das trifft ja leider nicht nur auf die USA zu, sondern gilt wohl für die meisten Länder (außer Bhutan, aber die Geschichte gibt es ein anderes Mal). Das war meine Portion Weltfrieden zum globalen Senf für heute. Zum Abschluss noch ein absolut genialer Blog-Tip: http://usaerklaert.wordpress.com/ – Alles, was man sich schon immer über Amerika gefragt hat. Von Wahlsystem bis Rootbeer, und so unfassbar gut und lustig geschrieben, dass jeder mit einem Fünkchen echtem Interesse an den USA den Blog zumindest mal kennen sollte. Und man hat noch jede Menge Spaß beim lesen!