Nur mal so: Es gibt nicht DEN Feminismus

Ja. Wirklich. Es gibt nicht DEN Feminismus und DIE EINE feministische Theorie. Es gibt ‘nur’ zig mehr oder weniger kohärente Strömungen, Unterarten, Bewegungen.

Nur um das zu erwähnen, da an philolzophys “Observations on Internet Feminism” leider doch einiges dran ist:

1. Everyone claims to be a feminist

2. Everyone claims to have a more accurate understanding of feminism than the other person

3. Everyone calls the other person out for not understanding feminism in ‘the right way’ which really just means they don’t have the same understanding of feminism.

(…)

5. Conversations (shockingly) don’t lead anywhere but with people getting pissed off at each other.

Um das mal zu unterfüttern, hier mal eine Liste (Auswahl):

  • Marxistischer Feminismus
  • Radikaler Feminismus
  • Dekonstruktiver/Poststrukturalistischer Feminismus
  • Lacansche Feminismus
  • Postfeminismus
  • Post-Postfeminismus
  • first/second/third-wave feminism
  • Lesbischer Feminismus
  • Postkolonialer Feminismus
  • black feminism
  • Dritte-Welt-Feminismus
  • lipstick feminism
  • Postmoderner Feminismus
  • Cyberfeminismus
  • humanist feminism
  • sex-positive feminism
  • Konservativer Feminismus
  • libertarian feminism
  • Seperatistischer Feminismus
  • ecofeminism
  • anarcha-feminism
Die Liste ließe sich sicher fortsetzen, einige hängen eng zusammen, andere weisen deutliche Unterschiede auf (ich behaupte übrigens ganz sicher nicht, dass ich mich in allen auskenne).
Oft werden all diese Strömungen wild durcheinandergeworfen und dann DER Feminismus mit Hilfe von 140 Zeichen langen Binsenweisheiten auf eine simplifizierende Pseudodefinition eingekocht, wie “Guess what, you’re a feminist when you believe that one half of humanity is equal to the other half”. Ich selbst bin zum Beispiel in der postrukturalistischen/dekonstruktiven Ecke verortet (der Queer Theory, vor allem Butler und Sedgwick), und da teilt man schon seit über 20 Jahren die Menschheit nicht mehr in zwei Hälften, da ‘Mann’ und ‘Frau’, ‘sex’ und ‘gender’ als diskursive, kulturell konstruierte Kategorien angesehen werden, die sich eben nicht strikt binär aufteilen lassen. Ich untermale das mal mit einem Bild:
Sex, it's like, totes binary....

So.

Bevor sich also mal wieder jemand drüber streitet, wer jetzt den Feminismus ‘richtiger’ verstanden hat, stellt doch erst einmal sicher, dass ihr von denselben Dingen redet.

 

Ich denke, das würde weniger Zeitverschwendung und weniger Streit, aber dafür wesentlich konstruktivere Diskussionen ergeben.

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