Gedanken eines Umziehenden vor dem Zusammenbruch.

Wieso ist umziehen so kompliziert. Wieso besitzen wir so unglaublich viele so unnützige Dinge? Und wieso habe ich nur Dinge, die dazu auch noch mordsschwer sind? Wie soll ich denn die Umzugskisten packen, da soll man doch immer Schweres und Leichtes mischen, ich habe aber nur schweres Zeug?! Außerdem sieht es in meinem Wohnzimmer langsam aus wie bei Tetris, kurz bevor der Bildschirm voll mit Reihen ist und der Game-Over-Schriftzug erscheint. Ich habe das Gefühl, ich warte seit zwei Wochen auf den langen geraden Balken, damit es endlich mal *bling* macht und eine volle Viererreihe Kisten einfach so im Videospielnirvana verschwindet. Oder sich vorzugsweise in den Keller meiner Eltern beamt. Aber der lange gerade Balken will nicht kommen.

Das Schlimme ist, dass sich bei mir seelische Zustände mit meiner persönlichen Außenwelt decken. Innen und Außen, das hängt zusammen. Will ich in meinem Kopf ordnen, fange ich an aufzuräumen und zu putzen, worauf sich auch eine innere Ordnung einstellt. Dann habe ich einen klaren, aufgeräumten Kopf. Aber im Moment herrscht das absolute Chaos in meinem persönlichen Außen, was sich nun jetzt wechselwirkungsmäßig ziemlich sicher auch auf mein seelisches Innen überträgt. Sprich: Ich drehe bald durch. Ich will wieder ein geordnetes Leben, im wörtlichsten Sinne.

Und wieso ist umziehen immer mit so viel bürokratischem Unsinn verbunden? Ummelden, Internet-Vertrag, Strom, Telefon, Nachsendeauftrag, Mietvertrag, Kaution, Aböse, Nebenkosten. Und die ganzen Möbel! Das Renovieren! Wieso ziehen wir nicht immer schon in fix und fertig eingerichtete Wohnungen ein? Und man tauscht Internet, Telefon, Stromvertrag etc. einfach mit dem Vormieter. Einfach die Klamotten packen, ein paar Bücher, und rein in die immer schon fertige Wohnung. Kein schleppen. Keine Bürokratie. Keine Individualität. Standardwohnungen mit Standardeinrichtung und Standardinternet und Standardtelefonanschluss. Keine Straßen mehr, nur noch Nummern. Immer gleichgroße Wabenwohnungen in identischen Wohnwürfeln… Wie schön und friedlich. Und aufgeräumt.

This entry was posted in Altblog and tagged , . Bookmark the permalink.

4 Responses to Gedanken eines Umziehenden vor dem Zusammenbruch.

  1. kiki_klops says:

    Oh, wie gut ich das gerade verstehen kann. Ich kann gerade noch nichtmal aufmunternd behaupten “geht vorbei”, wir sind nämlich auch noch längst nicht fix und fertig (nur mit den Nerven natürlich). Die Wohnung ist noch nicht komplett verputzt, geschweige denn gestrichen und mit Boden versehen. Unser “stuff” türmt sich ebenfalls in Kartons, unser Telekommunikationsanbieter ärgert uns, etc., pp.

    Lass uns gemeinsam durchdrehen 🙂

  2. crazykaro says:

    Oh je, ihr Armen! Gemeinsam durchdrehen ist super, raus und sich in Gesellschaft begeben hilft auch : ) Bei mir ist der Umzug am 17.8. vorbei, dann zieh im zum ersten Oktober in ein anderes Zimmer derselben WG und dann Februar – Australien, Dezember zurück, wohl nochmal ein Semester in Erlangen und dann mal schauen – es nimmt wohl kein Ende die Umzieherei 😉

  3. mika says:

    alles zurücklassen! spart zeit und arbeit und nach einiger zeit denkt man eh nicht mehr an die anderen sachen die man jetzt nicht mehr hat 😀

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *