Wie das Bayernticket zu seinem Namen kam

Das Bayernticket der Deutschen Bahn heißt nämlich in Wirklichkeit nicht Bayernticket, weil man damit durch ganz Bayern fahren kann, nein, es heißt vielmehr Bayernticket, weil man damit durch ganz Bayern fahren muss, bevor man an sein Ziel kommt. Wenn man nur von A nach B will, muss man praktisch vorher über C, D, E und den Rest des Alphabets bis XYZ fahren, bis man mal bei B ist.

Gestern zum Beispiel: Ich wollte doch nur von Erlangen nach München und wieder zurück. Und ich war am Ende des Tages unter anderem in Donauwörth, Augsburg, Treuchtlingen, Dachau, Regensburg, Straubing, Landshut, Neumarkt in der Oberpfalz, Erding – und Vach.

Dieser Umstand, dass man einen Riesenkreis durch das Bundesland zieht, wäre ja gar nicht so schlimm gewesen, na gut, dafür ist es ja auch billiger, das Bayernticket. ABER. Wie immer, wenn ich mit der Bahn fahre, endet das im Supergau. IMMER. Und immer genau dann, wenn ich EINMAL Bahn fahre. Aber gestern, da habe ich mir wirklich gewünscht, dass ich nie, nie wieder in meinem Leben mit der Bahn fahren muss.

Da gab es gestern also zwei Verbindungen von Erlangen nach München – eine schnellere, mit zweimal umsteigen, und eine etwas langsamere mit nur einmal umsteigen. Ich dachte mir, na gut, Mehdorn ist ja zurückgetreten, der Zug von Erlangen nach Nürnberg war auch das erste Mal zweimal hintereinander pünktlich – ich fasse mal neues Vertrauen in die Bahn und wage es, die schnellere Verbindung mit zweimal Umsteigen zu nehmen. Es steht auch keine Verspätung an der großen Anzeigetafel, also setze ich mich in den Zug, der um 11:34 Uhr losfahren sollte. Und warte. Und warte. Um 11:36 Uhr fährt die ‘langsamere’ Verbindung zwei Gleise weiter pünktlich los. Und ich warte immer noch. Gegen 11:45 Uhr sitze ich immer noch in dem verdammten Zug, der sich noch keinen Millimeter bewegt hat. Weitere sieben Minuten später fährt der Zug dann endlich los, nur um im erstbesten Bahnhof gleich wieder anzuhalten. Wegen einer Störung der Türen verzögere sich die Weiterfahrt, man bemühe sich die Störung so schnell wie möglich zu beheben. Also nochmal 10 Minuten warten, bevor der Zug weiterfährt. Eine Durchsage: Leider haben wir im Moment 27 Minuten Verspätung, wie werden versuchen, das so schnell wie möglich wieder wettzumachen. Zwei Bahnhöfe weiter: Wir haben derzeit eine Verspätung von 29 Minuten, aber wir bitten das zu entschuldigen etc. Sprich: Ich verpasse meinen Anschlusszug um 10 Minuten und muss 45 Minuten am Augsburger Bahnhof rumhängen, bis der nächste Zug nach München fährt.

Da bin ich also in München, eine gute Stunde später als mit der ‘langsameren’ Verbindung. Na gut. Ich hatte mir alle Verbindungen zurück nach Erlangen bis 18 Uhr aufgeschrieben, da ich aber später angekommen bin, beschließe ich ein bisschen länger zu bleiben und mich erst gegen 19 Uhr auf den Rückweg zu machen, Verbindungen sollte es da ja noch genug geben. Dachte ich.  Es kommt mir schon komisch vor, dass der Automat keine Verbindung mehr unter 5 Stunden angibt. 5 Stunden von München nach Erlangen? Planmäßig? In der Zeit fahre ich ja mit dem Auto dreimal nach München. Und wieder zurück. Ich hoffe auf einen Fehler im Automaten und setzte mich kurzerhand in den nächsten Zug, der “Hauptbahnhof Nünrberg” vorne drauf stehen hat. Es ist 19:44 Uhr. Ich bin um 22:21 Uhr in Nürnberg. Das ist zwar eine lange Fahrt, aber noch ist alles gut. Der Automat zeigt mir nun aber keine Verbindung nach Erlangen an. Zumindest keine vor 1:06 Uhr. Hm. Ich schaue auf den gelben Plan, und sehe einen Zug von Nürnberg nach Erlangen um 22:34 Uhr. Super! Passt doch. Ich stelle mich an den Gleis. Durchsage: Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund von Bauerbeiten entfallen heute die Züge von Nürnberg nach Erlangen. GNAARGH.

Ich warte über eine Stunde, bevor ich eine Ersatzbusverbindung über Vach antreten kann. Um 00:44 Uhr bin ich schließlich in Erlangen. Sechseinhalb Stunden von München nach Erlangen, Verspätungen samt dem Verpassen von Anschlusszügen, Zugausfälle, mühsames Suchen nach Ersatzschienenverkehrsbussen, und ewiges frieren an Bahnhöfen mitten in der Nacht am Arsch der Welt, DAS ist das Bayernticket.

Vielleicht ist das Bayernticket ein paar Euro billiger – aber wer rechnet die verschwendete Lebenszeit? Und den Stress, der mein Leben bestimmt um 5 Tage irreversibel reduziert hat?

This entry was posted in Altblog and tagged , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Wie das Bayernticket zu seinem Namen kam

  1. Yaab says:

    …typisch die bahn! 😛

  2. sister says:

    sorry, mausi – in sachen bahngeschichte lach ich mich gerade fast kaputt!!!! und du schreibst das halt auch noch so super!
    freu mich schon auf dich! bussi, sister

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *