Impressionen: Die Insel

Filme mit Ewan McGregor muss man ja schon allein wegen diesem Schnittchen schauen. Er ist zwar nicht das Oberhaserl Hugh Jackman, aber seien wir mal ehrlich, Ewan McGregor würden wir auch nicht gerade von der Bettkante stoßen, nicht wahr meine Damen?

Aber nun zu Michael Bays “Die Insel“. Selten vermurbselt ein Film so viele ethische und philosophische Fragestellungen auf einmal. Zum einen wird die Genforschung-Stammzellen-Organspende-Forever Young-Diskussion konsequent durchexerziert. So gibt es zwar auch in dieser dystopischen Zukunft Gesetze, die den Umgang mit Klonen vorschreiben/verbieten beziehungsweise das fiktive Szenario im Film verhindern sollten – dass Klone kein Bewusstsein haben dürfen oder ähnliche (willkürliche) Grenzziehungen. Aber es zeigt eben auch, dass in einem kapitalistischen System Gesetze auch nur solange praktischen Bestand haben, bis jemand genug Geld damit verdient, diese bewusst zu brechen (und alles bezahlt, um sich nicht erwischen zu lassen). Sobald das zu verdiendene Geld also das Risiko aufwiegt, erwischt zu werden, ist im Kapitalismus der Logik des Films nach alles machbar, was möglich ist, selbst wenn es nicht erlaubt ist. Neben der großen Frage “Wo fängt Leben an?” wird außerdem gleich noch die Frage “Was ist real?” mitreingepackt, da die Klone in einer Parallel-Realität gefangen gehalten werden – The Matrix meets The Truman Show sozusagen, zusammen mit zig anderen Versatzstücken wie zum Beispiel aus Blade Runner (“Sind unsere Erinnerungen, sind wir real? Verdienen es Androiden/Klone nicht auch zu leben?”).

Meiner Meinung nach die brisanteste Frage ist ja die, wann ein Klon nur eine Kopie bleibt und wann er zum Mensch wird, von dem er geklont wurde. Ist letzterer noch zweifelsfrei auszumachen, ist die Frage ja noch einigermaßen klar zu beantworten. Aber nehmen wir an, der Klon hat genau dieselben Erfahrungen und Erinnerungen (implantiert bekommen?) wie sein Ursprungsmensch, und dieser Ursprungsmensch würde in einem Unfall ums Leben kommen. Nun nimmt der Klon seinen Platz ein. Das ist dann schon irgendwie wieder legitim? Es müsste ja keiner wissen, dass das ‘Original’ tot ist, und auffallen würde es auch keinem. Und nun nehmen wir weiter an, der Ursprungsmensch wäre in dem Unfall gar nicht getötet worden, sondern nur irgendwo im Dschungel mit seinem Hobby-Flugzeug abgestürzt und für 10 Jahre verschwunden. Nun kommt er wieder zurück, und trifft da seine ‘Kopie’, die das Leben des ‘Originals’ eingenommen hat. Wer ist nun wer? Wer ist jetzt mehr Mensch? Und wer hat ein Recht auf sein Leben? Nicht mehr Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, sondern der Mensch im Zeitalter seinen technischen Reproduzierbarkeit?

Interessant auch die letzte große und hochphilosophische Frage, wieso gerade Puma (real) die Firma (fiktiv) sponsert, die tausende unschuldiger Klone inhaftiert und tötet. Und Puma die Klone mit sexy-sportlichen Markenklamotten ausstattet, alles nach der herrschenden Diktatur des Designs in Reinweiß.

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2 Responses to Impressionen: Die Insel

  1. Nanig says:

    In meinem heutigen Kommentar möchte ich besonders auf die ästhetischen Aspekte des Eintrags eingehen:
    1.) Ewan McGregor: Absolutes Schnittchen!
    2.) ‘Vermurbseln’ wird ab sofort in meinen aktiven Sprachschatz eingehen!!!!! Ein supergeniales Wort, ich liebe vermurbseln! Dieser Klang, diese Poesie von Konsonant- und Vokalabfolge, es gibt kaum etwas vergleichliches!

  2. crazykaro says:

    Hihihi… ich weiß auch nicht genau wo das vermurbseln herkam, aber auf einmal war es da ^^ Ich glaube ich wollte ‘vermurksen’ schreiben, aber das hat so nen negativen Beigeschmack, deshalb musste ein neutraleres Wort her ; )

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